Schwetzingen

Mahnwache Die Linke vermisst Abgrenzung von den Rechten

Gruppen feinden sich im Netz an

Archivartikel

Die Bewegung „Fridays gegen Altersarmut“ kämpft für eine bessere Rente, auch in Schwetzingen wurde am Freitag demonstriert (wir berichteten). Vorwürfe häufen sich – besonders in den sozialen Medien – die Gruppe sei von Rechten unterwandert. Aus diesem Grund hat die Linke Schwetzingen bei einem Stand zeitgleich über das Thema Altersarmut informiert. Anwesend waren dort nicht nur eigene Mitglieder, sondern auch Oftersheimer Grüne und Mitglieder der Organisation „Omas gegen Rechts“. Nun feinden sich beide Lager in den sozialen Medien an. Die einen werden als Nationalsozialisten beschimpft und die Linken mit der Antifa gleichgesetzt oder „Hetzer gegen die Bewegung“ genannt.

„Im Vorfeld zu diesen Mahnwachen zeigte sich, dass die Gruppe von Rechtsextremen und Verschwörungsideologen durchsetzt war, um die Ängste der Menschen vor Armut im Alter für die eigene Agenda zu instrumentalisieren“, schreibt die Linke in einer Stellungnahme. „Zunächst unvoreingenommen, aber mit gebotener Skepsis“, habe sich die Partei die Demonstration angesehen. „Denn formell sind die angegebenen Ziele der Initiative mit den Ansätzen der Linken vereinbar.“

Unter den Teilnehmern hätten sich allerdings einige jüngere Rechtsradikale, die schon häufig bei Aufmärschen des rechtsextremen „Frauenbündnisses Kandel“ aufgefallen waren, befunden. „Als einer dieser Männer von einer Teilnehmerin des Infostandes darauf angesprochen wurde, warum er sie filme, habe sich die Frau sofort von mehreren Männern umringt gesehen, die sich bedrohlich aufgebaut hätten. „Selbst als mit Gewalt gedroht wurde, sei nicht eingegriffen worden. Auf die Frage, ob man dieses offen neonazistische Verhalten sanktionieren würde, wurde geantwortet, dass man nicht zuständig sei, denn die Äußerungen seien nicht im Rahmen der Mahnwache gefallen, sondern knapp fünf Meter entfernt“, schreibt die Linke weiter. „Daraufhin rief ein Mitglied der Linken, man müsse sich als Demokrat spätestens dann nach rechts abgrenzen, wenn offen rechtsradikale Parolen skandiert werden und mit Gewalt gedroht wird.“

Polizei meldet friedliche Demo

„Zwar waren nicht alle Rechtsradikale und wir haben mit einzelnen Teilnehmern konstruktive Gespräche geführt,“ sagt Florian Reck von der Linken im Gespräch mit dieser Zeitung: „Aber bei anderen Teilnehmern zeigte sich die Gesinnung. Dass zu neonazistischen Gewaltandrohungen keine Abgrenzung stattfand, ist bedenklich“, so Reck.

Die Polizei meldet auf Nachfrage keinerlei Störungen an diesem Nachmittag. „Etwa 100 Menschen haben mit Transparenten friedlich demonstriert“, erklärte Pressesprecher Dieter Klumpp.

Petra Zlabinger von „Fridays gegen Altersarmut“ hat keine Ausschreitungen mitbekommen. „Ich habe diese Vorwürfe im Netz gelesen. Dass ,Mininazis‘ dort gewesen sein sollen, habe ich nicht gesehen. Ich war auch emotional, weil ich beleidigt wurde und kommentierte, dass die Linken ,Stunk‘ gemacht hätten. Das war nicht in Ordnung, dafür werde ich mich entschuldigen.“ Und: „Wir kämpfen für die gleiche Sache. Ich möchte noch mal eine Mahnwache machen – vielleicht können wir vorher mit den Linken in einen Dialog treten“, sagt Zlabinger.

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