Schwetzingen

Lutherhaus „6. Tag der Religionsstifter“ / Christen, Juden und Muslime rücken zusammen / Extremismus in der Welt bekämpfen

„Guten Obstsalat zusammenmischen“

Archivartikel

„Die Rolle der Religionen in Zeiten der Globalisierung“ war das Thema beim mittlerweile sechsten Tag der Religionsstifter. Die nur von wenigen Zuhörern besuchte Veranstaltung der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) Schwetzingen fand im Lutherhaus statt. Moderator Wadood Bhatti begrüßte die Vertreter der jüdischen, christlichen und muslimischen Glaubensrichtungen und stellte die AMJ-Gemeinde vor.

Die islamische Bewegung werde seit mehr als 100 Jahren von einem rein spirituellen Kalifen geleitet und trete für die ursprünglichen Werte des Islam ein, etwa Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, absolute Gerechtigkeit sowie Beendigung gewalttätiger Aktionen im Namen der Religion. Vor den Referaten rezitierte Gemeindemitglied Saood Alvi aus dem Koran. In der Sure 49 heißt es: „O ihr Menschen, wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt.“

Hochschulrabbiner Shaul Friberg von der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg referierte über die jüdische Perspektive, wer eigentlich die Religionsstifter seien. Die Reihe beginne bei Moses und führe weiter zu Abraham, Ismael, Isaak und Noah. Abraham sei eine „sehr logische Person“, Gott habe mit ihm Kontakt aufgenommen. Jeder habe einen anderen Weg zu Gott, der Zugang sei unterschiedlich, so Friberg weiter. Die Thora schreibe sehr komplizierte Gesetze vor. Die 613 Gebote seien eine „riesige Menge“, denen man gar nicht immer folgen könne: „Judentum ist Richtung, nicht Ziel.“

Symbolisches Bild eines Mixers

Die Globalisierung habe nicht viel verändert für die jüdische Religion, stellte der Rabbiner fest. Die gemeinsame Gesellschaft der „einen großen Welt“ müsse zusammen den Extremismus bekämpfen, brachte Friberg das Bild von einem Mixer. Christen, Muslime und Juden hätten die Aufgabe, „einen guten Obstsalat zusammenzumischen“. Professor Dr. Michael Plathow, evangelischer Pfarrer und Hochschullehrer für Systematische Theologie an der Uni Heidelberg, stellte fünf Aspekte vor. Religionen würden erfassbar und erlebbar in verschiedenen sozialen Formen. Angesichts der Verschiedenheit der Religionen komme es auf das Verhältnis von Wahrheitsgewissheit und Toleranz an. „Den anderen kennen wie sich selbst“, das zeuge von gegenseitigem Respekt. Der Prozess des Verstehens beinhalte „Differenz und Verständigung und Gemeinschaft“. Das erfordere Kommunikation, Kooperation und Konvivenz (Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher religiöser Überzeugung) im weltweiten Maßstab, verwies Plathow auf die „Gemeinschaft in Verschiedenheit“ und das Buch des amerikanischen Philosophen Ronald Dworkins mit dem Titel „Religion ohne Gott“.

Imam Habib Nasir sprach über die islamische Kernbotschaft und verschiedene Entwicklungsphasen seiner Religion. Die Globalisierung als „gesamte Welt in einem Netzwerk“ habe auch negative Aspekte. Diese „Kontraseite“ gelte es zu beheben, die Religion habe gute Voraussetzungen dafür. Eine Religion bestimme die andere, bat der Imam darum, die Probleme nicht mit einem Tunnelblick anzugehen. Der Dienst an Gott und der Dienst am Menschen seien die wichtigsten Säulen.

Der Islam stehe für den kollektiven Frieden. Dabei sei es enorm wichtig, dass man immer gerecht handele, zitierte der Theologe der Ahmadiyya Muslim Jamaat die Sure 7 des Korans, wonach der Gläubige in einer Gemeinschaft lebe, „die mit der Wahrheit rechtleitet und nach ihr gerecht handelt“. Kein Land habe das Recht, einem anderen Land die Ressourcen abzunehmen, mahnte der Imam und verwies auf die Flüchtlingskrise in Europa. Den Vorträgen schloss sich eine rege Diskussion an. Danach gab es noch viele Gespräche bei Kaffee und Fingerfood. vw

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