Schwetzingen

Haben Sie eine Wohnung frei?

Jürgen Gruler fordert zu einem besonderen Eigenversuch auf

Das ist einfach: Im Internet und am Stammtisch lässt es sich prima schimpfen: Die Schwarzen, die mit Drogen dealen, die Asylanten, die unsere Töchter vergewaltigen. Komisch, dass ein Nachfragen fast immer ergibt, dass der Schimpfende kein einziges persönliches Ereignis benennen kann, bei dem er selbst oder ein direkter Verwandter betroffen war. Ja, es gibt diese Straftaten – und mit einer solchen hat derjenige aus meiner Sicht sein Recht auf ein Hierbleiben verwirkt und auch ein Zurückkommen.

Aber mir fehlen die positiven Beispiele, die es gibt, wenn sich jemand auf Zugewanderte einlässt. Ich kenne das noch aus meiner Jugend, in der ich in Fußballmannschaften spielte, in denen von den 15 Jungs drei Deutsche waren. Ich fand das klasse, bei Francesco am Tisch zu sitzen und eine große Portion Spaghetti zu essen und zu hören, wie lautstark da am Tisch debattiert wurde.

Seit drei Jahren sind wir mit einer syrischen Flüchtlingsfamilie befreundet – und ich spreche bewusst von befreundet. Klar war der erste Reflex der der Hilfe. Aber heute weiß ich, dass wir mindestens so von ihnen profitieren wie sie von uns. Sie helfen uns beim Umzug, wir gehen mal mit, wenn ein Arzt vor einer Operation in einem Kauderwelsch informiert, das sich selbst uns Muttersprachlern kaum erschließt. Die beiden Mädchen gehören zu den besten der Klasse, sind perfekt zweisprachig, die Mama hat den Führerschein gemacht, der Papa hält den Elektrobetrieb seines Chefs fast alleine am Laufen. Wir staunen gegenseitig über Sitten und Bräuche des anderen.

Alles ist möglich, wenn man Kontakt aufnimmt. Vielleicht haben Sie ja eine Wohnung frei und wollen sich mal einlassen auf neue Einsichten? Die Stadt vermittelt gern Mietvertrag und passende Mieter. Ansprechpartner ist Andreas Oswald, Telefon 06202/8 72 20. Wagen Sie’s!

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