Schwetzingen

Stadtkirche Mehrsprachiger Gottesdienst in ökumenischer Verbundenheit bildet Abschluss der interkulturellen Woche / Menschen verschiedener Nationalitäten berichten

Hier kennt der Glauben keine Landesgrenzen

Archivartikel

Ein ökumenischer und mehrsprachiger Gottesdienst in der Stadtkirche bildete den Abschluss der ersten interkulturellen Woche, an der evangelische und katholische Kirchengemeinde, Caritas, Diakonie, Islamischer Kulturverein, griechisch-orthodoxe Gemeinde, IG Vereine, Landeskirchliche Gemeinschaft, Neuapostolische Kirche und die Volkshochschule beteiligt waren (wir berichteten mehrfach). Schirmherr war Oberbürgermeister Dr. René Pöltl.

Der Gottesdienst war von einer Gruppe um Gemeindediakonin Margit Rothe vorbereitet worden. Dorothee Strieker spielte die Orgel. Der Chor der Schlosskirche Bad Mergentheim unter der Leitung von Lucas Ziegler gestaltete das bunte Treffen mit. Gebetet und gesungen wurde in der jeweiligen Muttersprache. „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Die Verse des Psalms 23 waren auf Griechisch, Englisch, Französisch und Indisch zu hören. Die Kinder hatten farbige Chiffontücher in den Händen und sangen das Lied „Preiset den Herrn“ mit. Dann durften sie zum Kindergottesdienst.

In der Schriftlesung von Susanne Bertrand-Baumann waren die Worte des Paulus aus dem Galaterbrief zu hören: „Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“ Paulus spricht deutliche Worte dazu, dass man nicht durch bestimmte Eigenschaft oder die Einhaltung bestimmter Gesetze zu Gott gehört, sondern dass Gott ein Gott der Freiheit ist. Der Glaube ist keine Verpflichtung, sondern ein Geschenk. Der Chor brachte das im Lied „Freude über Gott“ zum Ausdruck.

Wo Christen in Angst leben

Verschiedene Personen sagten etwas dazu, wie Christen in ihrem Land leben. Thankama erzählte, wie die Gottesdienste in Südindien ablaufen. Frauen und Männer sitzen getrennt. Eine Orgel gibt es nicht, dafür Musik vom Keyboard. Beim Friedensgruß nickt man seinem Nachbarn zu. Der 14-jährige David berichtete über die Aramäer in Syrien. Die Frauen tragen ein Kopftuch, weil auch Maria eins getragen hat. Das Aramäische ist die älteste Sprache der Welt. David ist Ministrant in der katholischen Kirchengemeinde. Die nächste aramäische Gemeinde ist in Leimen. Das Ehepaar Koutsoudaki hatte eine Vasilopita mitgebracht. Der Glückskuchen mit einer Goldmünze drin, der in Griechenland am 1. Januar gegessen wird, hat eine lange Tradition. Bischof Vasilios hatte die Reichen einst gebeten, den Armen zu spenden. „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ lautete das nächste Lied. Farhan aus Somalia berichtete von schlimmen Zuständen in seinem Land. Seit über 30 Jahre gibt es Bürgerkrieg und Anarchie. Die islamistische Terrormiliz Al-Shabab erlaubt kein Christentum. Christen würden „in Dunkelheit und in Angst“ leben, sagte Farhan. Die Ausübung einer anderen Religion bedeute die Todesstrafe. Kaya Rivkin-Haag lebte in Boston in den USA. Dort gibt es mehrere evangelische Kirchen: „Da ist es immer sehr lebhaft, alle singen und klatschen in die Hände.“ Es gib keine Kirchensteuer, die Glaubensgemeinschaften finanzieren sich über Spenden. Ute Roes ging auf den Weltgebetstag als größte Basisbewegung christlicher Frauen ein. Ein Gottesdienst wandert rund um den Globus und wird Frauen in mehr als 120 Ländern der Welt miteinander verbinden. Der nächste Weltgebetstag am ersten Freitag im März beschäftigt sich mit den Frauen von Simbabwe.

„Uns vereinen Bibel und Kreuz“, meinte Margit Rothe und las aus dem Korinther-Brief: „Es sind verschiedene Gaben, aber es ist ein Geist. Es sind verschiedene Ämter, aber es ist ein Herr.“ Christen könnten überall auf der Welt ihr Christsein unterschiedlich gestalten und leben. Das müsse nicht irritieren, „sondern das bereichert“. „Lasst uns in unseren Herzen immer offen bleiben für das, was anders oder fremd, aber genauso gut ist wie das Eigene“, meinte die Gemeindediakonin. Es folgte das hebräische Friedenslied „Hevenuz shalom alejchem“. „Wir wollen Frieden für alle“, heißt es darin. Nach dem Totengedenken und den Fürbitten, die vom bekannten „Kyrie eleison“ umrahmt wurden, sprach die Gemeinde das Vaterunser, alle Gottesdienstbesucher gemeinsam, jeder in seiner eigenen Sprache. Holger Hamm, Margit Rothe und Bernhard Zöller spendeten den Segen ebenfalls in verschiedenen Sprachen. Beim anschließenden Kirchencafé gab es internationales Fingerfood: Indischer Bananenkokoskuchen, Himbasha-Brote aus Eritrea, Pita aus Griechenland und Nusszopf aus Deutschland mundeten allen Besuchern. vw

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