Schwetzingen

Comenius-Schule Beim Reitverein einen wunderbaren Tag verbracht / Pferde gefüttert, gestreichelt und nobel ausgefahren

Hier wird Inklusion live gelebt

Archivartikel

„Last Chance“ steht entspannt auf dem Reitplatz, Corinna Halbach hat ihn geputzt und hält ihn am Halfter fest. Um die beiden herum scharen sich sofort Menschen mit Handicap, wollen ihn streicheln, am liebsten gleich aufsitzen. Große Freude bereiten die erhabenen Pferde den Comenius-Schülern, die sich dank ihres ehemaligen Lehrers Jürgen Auer, der dem Comenius-Freundeskreis vorsteht, und Reitervereins-Vizechef Matthias Vogel auf der Schwetzinger Reitanlage wohlfühlen, und das schon regelmäßig seit 20 Jahren.

Vierhufer „Last Chance“ hält ganz still, als ahne er, dass er heute extra vorsichtig mit den Menschen um sich herum umgehen muss. Corinna Halbach, die ihn führt, zeigt, wo das Pferd am liebsten getätschelt wird. Matthias Vogel betont: „Die Tiere spüren instinktiv, dass sie es mit besonderen Menschen zu tun haben und sind sehr ruhig und vorsichtig.“ Das sollte sich auch beim Reiten in der Halle später zeigen.

Sportpferde zum Anfassen

Die Atmosphäre ist locker, herzlich, alle sitzen zusammen und essen – Schüler, Eltern, Freunde, Betreuer. Es ist eine nette Sommerparty mit Gegrilltem, Getränken und dem Plus, mit Tieren in den direkten Kontakt zu kommen. Versorgt werden die Gäste von einem Team des Reitervereins, das Kuchen gebacken, Kaffee gekocht, Steaks und Würste besorgt hat. Während alle plaudern, bereiten im Stall die Reiter ihre Tiere vor. „Es ist nicht selbstverständlich, dass Sportpferde zur Verfügung gestellt werden, ein toller Beitrag zur Inklusion und Freundschaftspflege“, dankt Vogel den Reitern.

In der Halle ist alles fertig, immer zwei Betreuer und Helfer sind bei jedem Pferd dabei, wenn die Gäste ihre Runden drehen. Zusehends lockert sich dabei durchs Wiegen auf dem Pferderücken die teils verspannte Körperhaltung und am Lächeln des jeweiligen Reiters ist dessen Wohlgefühl und Glücklichsein abzulesen. „Ein schöner Effekt“, freut sich Jürgen Auer, mit dem sich alle hier kumpelhaft unterhalten, erzählen, was sie heute tun.

Ein Blick in die Ställe und vielleicht Futter geben, das ist es, was den sehr familiären Nachmittag so unvergesslich für die Schüler macht. Ganz dicht ran an die Pferde, deren Wärme und Nähe genießen, ist eine Erfahrung, die bleibt.

Mit großem „Hallo“ wird die Pferdekutsche begrüßt, die in den Hof des Areals einbiegt. Hans Beckenbach aus Schriesheim ist seit Jahren mit seinem Gespann dabei und sorgt auch dieses Mal wieder für leuchtende Augen. Kaum schnell genug kann es für die jungen Menschen gehen, die auf die Bänke klettern und anfeuern, dass es doch flott losgehen soll. Hier steht, wie während der gesamten Aktion, die Sicherheit an erster Stelle: Erst wird geschaut, dass jeder richtig sitzt, kurz angesagt, dass man während der Tour nicht aufstehen darf, dann geht es los.

Mit der Kutsche durch den Wald

Mitten durch den Wald lenkt Beckenbach mit Zungenschnalzen und versierter Hand die Kutsche mit den jubelnden Fahrgästen über den Nachmittag verteilt – Schritt- und Trabgeschwindigkeit wechseln zur Freude der Passagiere ab. Als Überraschung hält der Verein am Ende des schönen Tages echte Reitermedaillen und die begehrten Rosetten, mit denen üblicherweise die Pferde nach Gewinnen geschmückt werden, parat.

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