Schwetzingen

Spargelsamstag Die Stadt ist bereit für die große Party / Von 10 Uhr bis Mitternacht wird dem königlichen Gemüse gehuldigt

Hingucker an vielen Stellen

Archivartikel

Um 4 Uhr in der Früh haben sich Mario Köpf und Johannes Schwarzbauer aus dem Donaumoos auf den Weg nach Schwetzingen gemacht. Die beiden Bauhof-Mitarbeiter aus der neuen Partnerstadt Schrobenhausen hatten auch ein „Mitbringsel“ dabei: ein Pferdegespann mit Pflug, so wie es Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts auf den Spargeläckern vorzufinden war.

Dieses ist am heutigen Spargelsamstag unter einem Pavillon vor dem Palais Hirsch zu sehen und eine Leihgabe für dieses Wochenende. Es sind Nachbildungen aus Holz für Veranstaltungen; das Original aus Corten-Stahl stammt vom Künstler Lothar Vietzke, der die Skulpturen für das Europäische Spargelmuseum in Schrobenhausen 1990 geschaffen hat, wie Claudia Freitag-Mair, die Leiterin der Schrobenhausener Museen, dieser Zeitung erzählt. Mit zwei Pferden und dem Pflug wurden einst Gräben in den Boden gezogen. Anschließend setzten die Bauern die Spargelpflanzen in Handarbeit. Das andere Gerät, ein sogenannter Spargelformer, ist dazu da, um die Ertragslage anzuhäufen und zum Stechen vorzubereiten. Komplettiert wird die Szenerie durch Bauersleute.

Der Untergrund für die Inszenierung auf dem Schlossplatz ist Allmendsand, rangeschafft hat ihn Hans Rinklef. Der hatte auch vor ein paar Jahren die Idee, den Besuchern an Spargelsamstagen – damals aber noch ohne die Skulpturen aus Schrobenhausen – das Spargelstechen zu zeigen. „Ich habe das mal vor ein paar Jahren in größerer Form auf den Champs-Élysées in Paris gesehen, da dachte ich, dass wir das bei uns auch umsetzen können“, erzählt er stolz. So ist die Spargelgenossenschaft auch heute mit ihren Vertretern auf dem Schlossplatz und beantwortet gerne Fragen rund um das königliche Gemüse, welches in Schwetzingen seit 350 Jahren angebaut wird.

Mario Köpf und Johannes Schwarzbauer haben ihre Arbeit gestern gegen Mittag in Schwetzingen beendet: Die Skulpturen sind sicher angeliefert und auch aufgebaut. Mit leerem Auto fahren sie jedoch nicht zurück nach Schrobenhausen: Sie nehmen die Bänke mit, die Schwetzingen anlässlich der neuen Partnerschaft vom hiesigen Bauhof fertigen ließ und zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden den Bayern schenkte.

Heute sind natürlich die Partnerstädte mit von der Partie, wenn Schwetzingen feiert. Mit den Delegationen aus Karlshuld und Schrobenhausen kommen auch Rosenkönigin Theresa und Spargelkönigin Isabella, die mit ihrer royalen Kollegin und Gastgeberin Janine I. im Durchgang zwischen Schlossplatz und Dreikönigstraße anzutreffen sind. Dort tummeln sich unter anderem auch ehemalige Schwetzinger Spargelköniginnen, Wachenheims Weinprinzessin Svenja sowie Reilingens Erdbeer- und Spargelprinzessin Nikola – ein kleines Hoheitentreffen zuzusagen. Diese sind auch beim Spargelscheesenrennen auf dem Schlossplatz am Start neben Teams aus dem Rathaus (mit geistlicher Unterstützung), dem TV 1864, Mitgliedern des Capoeira-Vereins und hoffentlich Zuschauern, die zum Mitmachen eingeladen sind.

Mit Kunst Gutes tun

Mitmachen – das wünscht sich auch Volkshochschulleiterin Gundula Sprenger am VHS-Stand in der Dreikönigstraße. Von 11 bis 18 Uhr wird hier die Möglichkeit geboten, Spargel zu malen. „Das partizipative, inklusive Mitmachprojekt ist für Junge und Junggebliebene. Grundlage sind die Spargelschablonen, auf die mit Farbe oder Kreide gemalt oder als Collage Spargel entworfen werden können. Auf die Schablonen wird auch der Name geschrieben und diese dienen dann als Vorlage für die große Open Air Ausstellung ,Projekt Asparagus – 350 Jahre Spargelanbau in Schwetzingen‘ auf Lkw-Planen im September am Kulturzentrum. Im September bekommen dann auch alle ihre Spargelschablonen zurück“, erklärt sie.

Der Schwetzinger Künstler Vincenzo Di Tommaso malt von jedem, der möchte, von 11.15 bis 13 Uhr ein Porträt. Dafür erwartet er keinen festen Betrag, sondern eine Spende. Um 17 Uhr ist die Versteigerung einer Spargelradierung auf der Bräuninger-Bühne, die der Künstler extra für das Spargeljubiläum gemalt hat. Ein hochwertiger klassischer Holzrahmen mit Goldschnitt gehört dazu. Mindestgebot hierfür ist 200 Euro. Der Erlös aus der Porträtmalerei und der Versteigerung wird zu 100 Prozent für ein Schwetzinger Kinderprojekt gestiftet.

Apropos: Yosef Bakir, der die Sandskulptur auf dem Schlossplatz erschaffen hat (wir berichteten), die heute um 13.30 Uhr „eingeweiht“ werden soll, freut sich auch über Spenden. Das Geld möchte er vertriebenen Familien aus Afrin in Syrien über den Förderverein „Reng-Art“ zukommen lassen. Das Thema „Kunst und Spargel“ ist zudem Gegenstand einer Präsentation am „Kleinod am Schloss“, die Jessen Oestergaard und Josef Walch hier ab 13 Uhr präsentieren. Im Stadtgebiet wird eine Menge geboten sein – in den Geschäften und auf den Straßen. Es gibt sogar Modeschauen (13 und 15 Uhr) in der Mannheimer Straße von „Trendi“ . Der Spargelsamstag bietet Genuss für alle Sinne.

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