Schwetzingen

Schloss 225. Todestag von Elisabeth Auguste von der Pfalz / Sonderführungen im Oktober und Dezember / Nach Tod ihres Sohnes ist Sommerresidenz verhasst

Historische Einblicke in das Leben einer Kurfürstin

Eine Sommerresidenz: Das war Schwetzingen für die pfälzischen Kurfürsten des 18. Jahrhunderts. Hierher zog man in der warmen Jahreszeit, mit dem gesamten Hofstaat. Auch die Kurfürstin Elisabeth Auguste verbrachte dort glanzvolle Tage in ihrem Appartement. Am 17. August vor 225 Jahren ist sie gestorben – weder in der kurpfälzischen Residenz Mannheim noch in ihrer Sommerresidenz, sondern im kurfürstlichen Schloss in Weinheim, wohin sie sich 1794 wegen der heranrückenden französischen Revolutionstruppen zurückgezogen hatte. An die Ehefrau des Kurfürsten erinnert die Sonderführung der Staatlichen Schlösser und Gärten „Eheleben à la Kurpfalz – Das Kurfürstenpaar Carl Theodor und Elisabeth Auguste“ am 6. Oktober und 29. Dezember.

Wenn in den Frühlingsmonaten die Kurfürstin an der Seite ihres Mannes von Mannheim nach Schwetzingen zog, dann wurde sie von ihrem Hofstaat – etwa 60 Damen – begleitet. In den Innenräumen der Sommerresidenz kann man heute noch bei den Führungen in dieses höfische Leben eintauchen: Die Raumfolge im Schloss zeigt die spätbarocke Feinheit und Eleganz der Zeit des Kurfürstenpaares. Das Appartement der Kurfürstin bestand aus sechs Räumen: Ein Audienzzimmer, ein Schlafzimmer, ein Schreibkabinett, eine Privatbibliothek und eine Garderobe mit einer Puderkammer für die modische Hochfrisur der Damen.

Schicksalsschlag als 19-Jährige

Elisabeth Augustes Schlafzimmer hat eine besondere Geschichte zu erzählen: Erst im Alter von 40 Jahren, nach 19-jähriger Ehe, wurde die Kurfürstin schwanger. Die Geburt des lang ersehnten Stammhalters fand in der Nacht des 28. Juni 1761 in diesem Raum statt. Das Kind, das den Namen Franz Josef Ludwig erhielt, starb wenige Stunden nach der Geburt. Von diesem Schicksalsschlag erholte sich die Kurfürstin nicht. Durch dieses Erlebnis wurde ihr Schwetzingen verhasst, auch wenn ihre Räume neu ausgestattet wurden. Das Ehepaar lebte seither weitgehend getrennt. Die Kurfürstin zog sich 1768 in ihr Schloss nach Oggersheim zurück, das ihr Vater Joseph Karl von Pfalz-Sulzbach erbaut hatte. Vor den anrückenden französischen Revolutionstruppen floh sie am 3. Januar 1794 nach Weinheim, wo sie im kurfürstlichen Schloss wohnte. Hier starb sie wenige Monate später, am 17. August 1794. Sie wurde in der Karmeliterkirche in Heidelberg beigesetzt. Nach Aufhebung des Klosters überführte man den Sarg 1805 in die St. Michaelskirche in München.

Auch in ihrer Hauptresidenz im Schloss Mannheim kann man sich auf ihre Spuren begeben. Etwa im prachtvollen Rittersaal: Hier befinden sich in den Ecknischen die überlebensgroßen Marmorskulpturen des Kurfürstenpaares als repräsentative Herrscherfiguren. Die Statuen mit einer Höhe von 2,40 Meter wurden um 1756/57 vom kurpfälzischen Hofbildhauer Peter Anton von Verschaffelt (1710-1793) angefertigt. Die Skulpturen sind Teil der kurfürstlichen Selbstdarstellung – außerdem verraten sie auch einiges über die Beziehung des Paares.

Das Bibliothekskabinett der Kurfürstin hat die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges weitgehend unbeschadet überstanden. Zu sehen sind die reich verzierten Wände mit den hinter Gittertüren versteckten Bücherregalen. Das kleine Kabinett liegt im Erdgeschoss des Hauptgebäudes und war Teil eines intimen Gartenappartements. Geschnitzte und farbig gefasste Holzpaneele verkleiden die Wände. Die Hofbildhauer Augustin Egell und Johann Matthäus van den Branden schufen die Holzschnitzereien. Für den reizvollen Deckenstuck war die Werkstatt von Giuseppe Antonio Albuccio verantwortlich, Kabinettschreiner Frank Zeller belegte den Boden mit einem schön gestalteten Parkett. zg

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