Schwetzingen

Schwetzinger Festspiele II Jerusalem Quartett im Schloss

Höchste Kunst im Aufbruch wie in Tempowechseln

Alle drei Quartette, die das israelische Jerusalem Quartett zu den Schwetzinger Festspielen mitgebracht hatte, sind Spätwerke, denen man üblicherweise Abgeklärtheit, kompositorische Souveränität und/oder Experimentierfreude nachsagt. All dies ist in Joseph Haydns G-Dur-Quartett opus 76, Nr. 1 vorhanden, doch das schließt eine Aufbruchstimmung in neue musikalische Ausdrucksformen nicht aus: Die vier Stimmen sind hier viel gleichberechtigter als beim frühen Haydn.

Womit wir bei der exzeptionellen interpretatorischen Leistung der vier Musiker wären (Alexander Pavlovsky und Sergei Bresler, Violinen; Ori Kam, Viola; Kyril Zlotnikov, Cello), die man zum Beispiel an der bis ins kleinste Detail gleichsinnigen Interpretationskunst erkennen kann. Wenn sich etwa die Phrasierung eines Motivs ändert, dann tut sie das nicht nur in einer Stimme, sondern in allen vier Stimmen gleichzeitig. So viel Gleichsinnigkeit, die sich natürlich auf alle musikalischen Bereiche bezieht, ist nun wirklich allerhöchste Quartettkunst – das Streichquartett erscheint geradezu als ein einziges Instrument.

Bei Béla Bartóks fünftem Streichquartett, das untypischerweise aus fünf Sätze besteht – vor und nach dem zentralen Scherzo gibt es je einen langsamen Satz –, zeigte sich diese Einheitlichkeit vor allem in den präzise koordinierten dynamischen Bewegungen und den ruppigen, oft perkussiven Ausdruckswerten. Bei Anton Dvoráks berühmtem Amerikanischem Quartett opus 96 waren es die überraschenden Tempi und Tempowechsel, die nur mit äußerster Konzentration der Interpreten zu bewältigen sind.

Genüsslich ausgekostet

Zum Beispiel der Finalsatz: Eigentlich geriet er etwas zu schnell, aber erstens gehört das genauso zur radikalen Spielweise des Jerusalem Quartetts wie das genüsslich ausgekostete Thema des (sehr) langsamen zweiten Satzes; und zweitens brachte auch das Wahnsinnstempo des vierten Satzes die Musiker keinen Moment ins Straucheln. Das Publikum muss gewusst haben, welch exquisite Quartett-Qualität zu erwarten ist: Im Mozart-Saal des Schwetzinger Schlosses war auch noch der allerletzte Notsitz belegt. host

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