Schwetzingen

Holztherapie mit Zusatzeffekt

Archivartikel

Katja Bauroth macht sich Gedanken über das Waldbaden hinaus

Wandern, Spazieren gehen, auf Berge steigen oder einfach nur in der Wiese liegen und den Wolken nachschauen – das ist doch wunderbar, um durchzuatmen und vor allem die Umwelt und Natur wahrzunehmen, finde ich. Die Ruhe im Grünen genießen, Vögeln bei ihrer Kommunikation zu lauschen und dabei erraten, welcher Piepmatz da gerade Terror macht – das gehört für mich seit Kleinauf zu den schönen Momenten im Leben. Das ist für mich Erholung!

Dass man so etwas auch einen weiteren Namen geben kann – nämlich Waldbaden – ist spannend! Aber vermutlich braucht’s das in einer Zeit, in der manche mit dem Smartphone in der Hand (okay, zum Navigieren sei’s kurzzeitig gestattet!) durch den Wald laufen, ihren Instagram-Account mit Storys von der Baumrinde befüllen oder Musik über die angeschlossenen Kopfhörer hören, um die Vögel beim Zwitschern nicht zu stören. Die Wahrnehmung siecht ja in vielen Lebensbereichen dahin.

Wie auch immer: Das Waldbaden hat mich nachdenklich gemacht. Ist Holzhacken auch nur noch Holzhacken oder schon eine Frischholztherapie mit Aggressionsbewältigung? Gartenarbeit klingt eigentlich auch viel zu profan. Das Umgraben der Beete – übrigens je nach Intensität und Schaufelbefüllung ein gutes Work-out für die Muckis, das dem Stressabbau dienen kann – wird zum Trend Bodenwendung mit Peelingeffekt. Fahrradfahren wäre demnach – je nach Lenker – Meditation im Sattel oder Verkehrsbaden mit Schockeffekt. Fußballspielen: Zickzacklauf mit (unfreiwilliger) Körperwahrnehmung. Schwimmen: Frei baden – treiben lassen – oder gerne auch Wasserschweben mit linearer Körperausrichtung. Und: Kann ich künftig einfach nur alte Weihnachtsbäume entsorgen oder nenne ich das besser recyceltes Fichtennadelkneippen?

Schwierig. Ich muss mir darüber bei einer Wanderung durch den Wald Gedanken machen. Um in Stimmung zu kommen und die Alltagsdanken hinter mir zu lassen, werde ich meinen Kopf zuvor dreimal an einen Baumstamm leicht (!) anschlagen. So spare ich mir die Klangschale.

Schönes Wochenende!

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