Schwetzingen

Hebel-Gymnasium Der literarische Musikabend kam bei den Besuchern gut an / Durch Kunst der Leere und Vereinsamung entfliehen

"Ich bin der Welt abhanden gekommen . . ."

Zu einem Abend aus Musik und Poesie hatte die Literatur-AG ins Hebel-Gymnasium eingeladen. Der Musiksaal hatte sich in eine Art Kulturcafé verwandelt, bei dem Bistrotische mit Getränken, Salzgebäck und kleinen Rosensträußchen ein freundliches Ambiente boten. "Wie kann man der Welt abhanden kommen?" fragte Thuy Linh Ngo, die als Moderatorin durch den Abend führte. In ihrer Antwort führte sie an, dass dies durch äußere Umstände wie Krieg und Flucht geschehen könne, durch Gefangenschaft, aber auch durch Selbstabschottung nach außen, etwa in virtuellen Welten.

Das Ich könne verloren gehen, wenn es in Einsamkeit zu ersticken drohe oder wenn Hass die Seele auffresse, wenn Beziehungen zu scheitern drohten und das Ich keinen Sinn mehr im Leben sehen könne.

Bei der musikalischen Lesung wurden die Zuhörer tatsächlich an einen Abgrund zwischen Selbstaufgabe und Selbsterkenntnis geführt. Die Literatur-AG wird von der Deutschlehrerin Hanna Schwichtenberg geleitet und zusätzlich von den Referendaren Thomas Cranshaw und Rainer Maria Meinicke betreut. Ausgehend von Konzertliedern der Klassik und Romantik, die meisterlich von Bassbariton Konstantin Wolff und Pianist Ulrich Murtfeld vorgetragen wurden, stellten die Schüler berührende Texte vor, die von Krieg und Flucht, Gefangensein, Mobbing, dem Verlust des Vertrauten und dem eigenen sinnlos erscheinenden Dasein handelten.

Ein Jahr lang haben die Hebelianer an ihren Texten gearbeitet und gefeilt. Dabei gelang es, in Tönen und Bildern scheinbar Unsagbares auszusprechen. So wurde deutlich, dass Kunst innere wie äußere Mauern zu sprengen vermag und so eine befreiende, manchmal sogar heilende Wirkung haben kann. In einer Zeit großer Oberflächlichkeit, Entfremdung und Vereinzelung kann es auch Hoffnung geben. Der Weg, der Leere zu entkommen, ist, sich künstlerisch mit der Welt auseinanderzusetzen. Kunst kann aus der Vereinsamung heraus eine Brücke schlagen.

Das Schlusslied - Friedrich Rückerts "Ich bin der Welt abhanden gekommen", vertont von Gustav Mahler -, fasste den Spannungsbogen zusammen: der Mensch zwischen Einsamkeit und Hoffnung, zwischen Freiheit und Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Das Publikum würdigte die außergewöhnliche Leistung mit großem Applaus. zg

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