Schwetzingen

Religion Stadtkirche und Sankt Pankratius werden an den Weihnachtsfeiertagen von Gläubigen besucht / Pfarrer Uwe Lüttinger und Gemeindediakonin Margit Rothe ziehen positive Bilanz des Angebotes

Innehalten bei Kerzenschein: Offene Kirchen spenden Trost

Archivartikel

Die Türen der evangelischen Stadtkirche auf den kleinen Planken stehen offen. Leise Musik dringt von einer Lautsprecherbox nach draußen. Am ersten Weihnachtsfeiertag geht es in der offenen Kirche etwas ruhiger zu, als noch am Vortag, dem Heiligen Abend.

„Es waren nie viele Menschen da, aber immer wieder welche. Sie wollten vor allem das Friedenslicht von Bethlehem mitnehmen, gerne auch einen Gottesdienst für zu Hause. Und viele haben einfach ein Weilchen auf der Bank gesessen und ein wenig verweilt: den Kerzenschein auf sich wirken lassen und die Musik genossen“, berichtet Gemeindediakonin Margit Rothe.

An den beiden Weihnachtsfeiertagen ist die Kirche von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Prädikantin Adelheid von Hauff und Kirchengemeinderätin Katrin Quast übernehmen die erste Schicht – sie sind da, wenn jemand reden möchte und wünschen den Besuchern frohe Weihnachten. Julia und Irena Zlothyk schauen sich die Stadtkirche am 25. Dezember eher zufällig an. Die beiden Jüdinnen kommen eigentlich aus Mannheim und feiern kein Weihnachten. Trotzdem nutzen sie die Feiertage, um sich Schwetzingen und deren Kirchen anzusehen. „Ich finde es schön, dass die Kirchen heute offen sind. Ich schaue sie mir gerne an“, meint Julia Zlothyk, während sie vor dem Friedenslicht innehält, das vor dem Altar zum Mitnehmen steht.

Ein Stück Geborgenheit

Weiter hinten sitzt eine weitere Besucherin. Ganz still und in sich gekehrt lässt sie die Atmosphäre der beinahe leeren Kirche auf sich wirken. „Ich brauche die Kirche an Weihnachten“, sagt sie. Die Präsenzgottesdienste fehlten ihr, vor allem das gemeinsame Singen. „Wir haben zu Hause den Gottesdienst im Internet angeschaut, aber das ist natürlich nicht dasselbe“, meint sie. Die Stille, die Besinnlichkeit, das Innehalten – all das fehle. Und deshalb sei sie nun in der Stadtkirche. Um sich ein Stück Geborgenheit zu holen.

„Manchen tat es gut, ungeplant reinzugehen und ein wenig zu verweilen; etliche kamen auch geplant: Und einige – Menschen, die nicht direkt aus Schwetzingen kommen – hatten in der Zeitung und auf der Homepage direkt gesucht, wo eine Kirche geöffnet ist und sind dann extra gekommen“, sagt Rothe zufrieden.

Nur eine Straße weiter hört man selbst durch die geschlossenen, schweren Holztüren von Sankt Pankratius die Orgelmusik, die drinnen gespielt wird. Es ist 11 Uhr am ersten Weihnachtsfeiertag – in der Kirche wird gerade die Messe zum Weihnachtsfest live gestreamt. Als die Musik längst verklungen ist und Chor und Instrumentalisten die Kirche verlassen haben, riecht es innen immer noch nach Weihrauch.

Viele Gläubige haben aber nicht nur die Gottesdienste online von zu Hause aus verfolgt, sondern zusätzlich vor allem am 24. Dezember einen kleinen Spaziergang zur Kirche unternommen. „Ich war am Vormittag in Sankt Kilian in Oftersheim und am Nachmittag in Sankt Pankratius“, berichtet der katholische Pfarrer Uwe Lüttinger. An beiden Standorten habe er viele Menschen getroffen, die das Angebot der offenen Kirche gerne annahmen. „Wir hatten 450 Tüten mit Impulsen verpackt und in alle Kirchen der Seelsorgeeinheit verteilt – heute sind keine mehr da“, unterstreicht der Pfarrer den Erfolg der Aktion. Die offenen Kirchen scheinen den Menschen also Trost zu spenden in einer Zeit, in der sie diesen am nötigsten haben.

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