Schwetzingen

Naturschutzgebiet Hirschacker Zwischenbilanz von Dr. Frisch

Intensivere Beweidung soll Zukunft sichern

Archivartikel

Der Naturschutzbund (Nabu) Schwetzingen & Umgebung führte unter der Leitung von Dr. Katrin Fritzsch eine Exkursion in das Naturschutzgebiet (NSG) Hirschacker durch. Das Motto der Exkursion, „Mut zur Lücke hat sich gelohnt – Ergebnisse aus dem Projekt „Lebensader Oberrhein“, diente auch dazu, kritische Fragen zu beantworten.

Das Naturschutzgebiet Hirschacker und Dossenwald erhielt unter anderem wegen der schützenswerten Binnendünen bereits 1994 diesen Status. Die Binnendünen mit Zwergstrauchheide kommen in der Oberrheinebene Baden-Württembergs mit 3,1 Hektar Gesamtfläche extrem selten vor, heißt es in einer Pressemitteilung des Nabu. Zum Vergleich mit der Gesamtfläche aller Naturschutzgebiete in Baden-Württemberg stellt dieser Lebensraumtyp weniger als 0,004 Prozent der Naturschutzfläche dar. Aus diesem Grund hat dieses Naturschutzgebiet national und europäisch einen hohen Stellenwert, der vom Projekt „Lebensader Oberrhein – Naturvielfalt von nass bis trocken“ seit 2013 intensiv gefördert wurde.

Das NSG Hirschacker gehört als zehnter Hotspot zwischen Iffezheim und Mannheim zu den trockenen Bereichen, bei denen der Erhalt und die Weiterentwicklung der offenen Binnendünen mit ihrem ganz besonderen Artenreichtum das Ziel ist. Nach dem Weggang der US-Streitkräfte wurde im Januar 2016 der Großteil des Landschafts- und Naturschutzgebietes an die Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe übertragen. Dr. Fritzsch führt aus, dass dazu in den Wintern 2016 und 2017 Rodungsmaßnahmen durchgeführt wurden, die durchaus auf Kritik und Unverständnis bei manchen Besuchern stießen (wir berichteten).

Erste Erfolge sind sichtbar

Nachdem das Projekt 2019 in sein letztes Jahr geht, war einerseits eine Zwischenbilanz und andererseits ein Ausblick auf die Zukunft naheliegend. Anhand von klaren Zunahmen so genannter prioritärer Pflanzen, wie es die wohlriechende Skabiose oder die Sandstrohblume sind, zeigen sich erste Erfolge des Projektes. Auch was die lang ersehnten seltenen Bodenbrüter wie die Heidelerche oder der Ziegenmelker anbetrifft, so gibt es nach 40 Jahren wieder erste sensationelle Nachweise (wir berichteten).

Beim Blick in die Zukunft wurden am Gehege des Beweidungsareals auch kritische Fragen für die Zeit nach 2019 gestellt. Aber gerade durch die weitere geplante Intensivierung der Beweidung mit Ziegen, Schafen und eventuell noch Eseln wird man es schaffen, die Verbuschung der wertvollen Flächen durch Robinie, spätblühende Traubenkirsche und Brombeere zurückzudrängen. Seit Anfang der letzten Woche wird der Pflegetrupp des Nabu Rhein-Neckar-Odenwald wieder von 17 meckernden und hungrigen Burenziegen unterstützt. Für 2019 ist eine Ausweitung der Beweidungen bereits in konkreter Planung, heißt es weiter. Da man von einer Verstetigung der Pflege-Maßnahmen durch Mensch und Tier auch nach 2019 ausgehen kann, ist der Blick in die Zukunft optimistisch. „Der Mut zur Lücke hat sich gelohnt – es bleibt aber weiter spannend“, so Dr. Fritzsch. zg

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