Schwetzingen

Schloss Küchenmagd Liesel plaudert bei der Führung „Vom Bohnensüppchen und dem Pfau im Federkleid“ aus dem Nähkästchen

Ist der Kurfürst aus dem Haus . . .

„Ihr wisst aber schon, dass ihr da nicht rein dürft“, babbelt die Liesel, als sie die gut gelaunten Schlossbesucher in Empfang nimmt. Nur die adelige Gesellschaft darf in die prunkvollen Räume, meint die mit Schürze und Haube bekleidete Küchenmagd. Heute sei die Herrschaft aber auf Schnepfenjagd, deshalb könne man kurz schauen, was es mit dem anstrengenden Leben als Bedienstete im kurfürstlichen Schloss auf sich hat. Die Liesel hat selbst viel erzählt bekommen, vor allem von Franz, dem Kammerdiener, den sie gut kennt. Der steht Pfalzgraf und Kurfürst Carl Philipp zur Verfügung und sorgt dafür, dass es dem Herrscher in seiner Sommerresidenz an nichts fehlt.

Der Holzboden knarrt, als die Besucher staunend durch die Appartements und Gesellschaftsräume schlendern. Bloß nichts anfassen, nicht, dass die Liesel, die gerade „vom Bohnensüppchen und dem Pfau im Federkleid“ berichtet, womöglich noch Ärger bekommt. Die großen und kleinen Gäste haben ja auch keine Anstellung bei Hofe, sonst könnten sie noch näher an die kunstvolle Tischdekoration und das Hofsilber ran.

Luxus für den Hof: Kaffee

Kaffee und heiße Schokolade sind ein Luxus, den nur die adelige Gesellschaft genießen darf. Ausgeschenkt wird in edlem Porzellan. Der Kaffee wird täglich frisch geröstet und gemahlen. Die Schokolade wird bei Tisch frisch aufgeschäumt. Nelken, Vanille und Zucker sind drin. Die Kannen haben einen Deckel, in den sich ein Quirl einsetzen lässt. „Nun schlürfen, damit man sich die Lippen nicht verbrennt“, erklärt die Liesel. Exotische Früchte wie Orange und Ananas stehen bereit. Die roten Äpfel kommen aus dem Schlossgarten. Der lange Tisch im Speisezimmer ist voll beladen. Die verzierte Pastete mit dem „Pfau im Federkleid“ fällt sofort ins Auge. Doch Insekten als Zutat schmecken nicht allen. Auf der kräftigen Suppe schwimmen Maikäfer.

Heute mundet der Spargel, gibt Liesel dann noch ein Rezept preis. Getränke sind Bier und Wein, weil Wasser viel zu gefährlich ist. Wild oder Fisch gibt es reichlich. Die Küchenjungen müssen den Kaninchen den Kopf abhacken und das Fell abziehen. Das Rebhuhn will gerupft werden. Die Zuckerbäcker stellen dazu leckere Torten her.

Wenn der Kurfürst später am Abend an einer Kordel zieht und ein Glöckchen ertönt, eilen die Diener herbei. Das Bett im Schlafgemach ist kurz, der Kurfürst schläft im Sitzen. Hinter einer Tür sind Leibstuhl und Bidet. Der Kübler muss den Nachttopf saubermachen. Der Armleuchter hält die Kerze. Kammerzofe Käthe hat der Magd von den Seidentapeten erzählt. In der Wand ist eine Tür eingelassen, dahinter führt eine Treppe in den Garten. Kurfürst Carl Theodor liebt einsame Morgenspaziergänge in seinem Schlossgarten. 1774 lauern ihm Räuber auf und nehmen ihm alles ab, was er bei sich trägt, tratscht die Küchenmagd und verteilt Apfelschnitze an ihre Gäste.

Mit sechs Jahren erwachsen

Gemälde an den Wänden zeigen die Nachkommen des Kurfürsten. Mit sechs Jahren sind die Prinzessinnen erwachsen. Die schlanke Wespentaille sei kein Zuckerschlecken, warnt die Magd die Mädchen, die bei der exklusiven Führung ins Staunen kommen. Zwischendrin gibt es eine Stärkung. Liesel hat in ihrem Korb Einback für alle dabei. Im Spielzimmer liegen Karten und Würfel auf den Tischen. Mit der Hygiene haben es die Herrschaften nicht so. Es wird viel gepudert. Wasser gilt als schädlich. Stärkemehl und Parfüm auf dem Kopf tut es auch. Da freuen sich Flöhe und Läuse. Liesel weiß, dass der Kurfürst sein Badhaus gar nicht richtig nutzt.

Im Garten erklärt sie noch die Zirkelsäle und die Orangerie. Da kommt sie selbst nie hin. Ihr Revier ist die Küche. Die Kochstellen, auf denen die Mahlzeiten für die großen Gesellschaften zubereitet werden, bekommen die Besucher nicht zu sehen. Die Räume liegen abseits des Schlosses. Dort wird geschrien und geschimpft. Alles muss schnell gehen. Die Hitze ist groß, ständig lauert Brandgefahr. Liesel, die im richtigen Leben Katja Nowotny heißt, muss jetzt wieder Gemüse schneiden. Der Kurfürst und sein Gefolge sind bald von der Jagd zurück.

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