Schwetzingen

Nabu Ortsverband findet Mäharbeiten nicht unordentlich / Wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen

„Jeder Quadratmeter Blühfläche zählt“

Archivartikel

„Wie unterschiedlich doch die ästhetische Wahrnehmung der uns umgebenden Natur ist“, schreibt der Nabu-Ortsverband in einer Pressemitteilung. Bezugnehmend auf unseren Artikel „Schmaler Streifen – der Umwelt zuliebe“ vom 29. Mai, sowie einen am 2. Juni veröffentlichten Leserbrief mit dem Titel „Wie schnell ist der Naturschutz vergessen“, wolle sich der Verein zu den „ungewöhnlichen Mäharbeiten der Stadt“ äußern.

Die Pflege der städtischen Grünflächen sei nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern ein Gradmesser dafür, ob die Stadt die Zeichen der Zeit erkannt habe, so die Pressemitteilung.

Historisch überliefert

„Inmitten einer zunehmend ausgeräumten Agrarlandschaft ohne Feldraine und Gehölze, zwischen kurz geschorenen Rasenflächen und den leider immer noch beliebten Steinwüsten als Vorgärten (mit entsprechenden Folgen wie dem massiven Insektensterben und einem sinkflugartigen Rückgang früher häufiger Vogelarten) ist jede auch noch so kleine Fläche, auf der natürliche Prozesse stattfinden können, von großem Wert“, findet der Nabu-Ortsverband.

Das beschränkte Mähen sei ein Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt, der Biodiversität in Schwetzingen. Der Nabu danke der Verwaltung für jeden Quadratmeter Straßenbegleitgrün, auf dem der Wiesensalbei zur Blüte komme, der Nahrung bereithalte für Wildbienen und Schmetterlinge, der Versteckmöglichkeiten biete für Kleintiere und der das Stadtklima positiv beeinflusse. „Entgegen der Vermutung im Leserbrief gibt es im Schwetzinger Schlossgarten übrigens mitnichten nur kurzrasige Zierflächen, sondern im Bereich des Merkurtempels bereits seit einigen Jahren wieder die historisch überlieferten, wunderbar bunten und insektenreichen Salbei-Glatthafer-Wiesen, die vor nicht allzu langer Zeit unsere damals noch extensiv genutzte Kulturlandschaft prägten“, so die Pressemitteilung weiter.

Der Nabu lädt dazu ein, sich die Vielfalt an Blüten und Kleinstlebewesen anzusehen, die auf den sogenannten „ungepflegten Flächen“ eine Chance zum Überleben fänden: „Schließen Sie die Augen und nehmen das Rascheln wahr, das eine Eidechse auf Nahrungssuche verursacht, oder lauschen dem Grillenzirpen. Das hohe Gras ist nicht unordentlich – es ist voller Leben.“ zg/sb

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