Schwetzingen

Jenseits der Scheinwerfer

Archivartikel

Gert Häusler über den Stillstand im Kulturbetrieb

Der Mai hat dieses Jahr für die meisten von uns völlig ungewohnt begonnen. Weder gab es den unbeschwerten Tanz in den Mai noch die gewohnten Rituale der Gewerkschaften. Für viele Arbeitnehmer geht es derzeit denn auch weniger um den Feinschliff der Arbeitsbedingungen, sondern direkt ums „Eingemachte“.

Auch kleinere Selbstständige und Freiberufler treffen die Einschränkungen mit voller Wucht. Wir alle müssen gerade auf vieles Vertraute aus „normalen“ Zeiten verzichten, wie auch auf die breite Auswahl von Unterhaltungsangeboten. Noch sind vom kleinen Theater bis zur großen Bühne und den noch größeren „Events“ mit Tausenden von Zuschauern keine Veranstaltungen in naher Sicht. Eigentlich sind wir es gewohnt, dass immer irgendwo etwas los ist. Sind im Sommer Theaterferien und im Fernsehen nur Wiederholungen, haben die Open-Air-Festivals Hochsaison. Aber was ist derzeit schon normal. Seit Wochen steht der Kulturbetrieb mehr oder weniger still, man hört und liest ab und an vom Schicksal der (selbstständigen) Künstler. Alle versuchen, sich irgendwie über Wasser zu halten und einige erreichen per Videostream einen Teil ihres Publikums. Aber im Gegensatz zu „richtigen Produktionen“ oder Theaterinszenierungen, wird hierbei meist „handgestrickt“ und mit minimalem Aufwand gearbeitet.

Damit steht eine Berufsgruppe total im Abseits, die auch sonst mehr im Hintergrund wirkt: Die große Zahl der technischen Mitarbeiter und sonstigen Helfer, die bei Veranstaltungen stets „vor Ort“ unterstützen und ohne die Produktionen nicht zu stemmen wären. Neben Regisseuren und Aufnahmeleitern sind das je nach Produktion bis zu 50 Personen, die für Kameras, Beleuchtung, Ton, Bühnenbild, Kostüme, Maske, aber auch Fahrdienste, Verpflegung und kleinere Reparaturen zuständig sind. Falls sie nicht bei einem Theater oder Fernsehsender fest angestellt sind, arbeiten sie als Freischaffende auf eigene Rechnung bei einzelnen Projekten mit. Ohne Kulturbetrieb gibt es aber keine Aufträge und damit keine Einnahmen. So wie dieser Berufsgruppe geht es natürlich noch vielen „guten Geistern“ mit mannigfaltigen Tätigkeiten außerhalb des Scheinwerferlichts.

Denken wir auch an sie, wenn wir uns „dereinst“ wieder an gelungenen Veranstaltungen erfreuen können und helfen ihnen vielleicht auch jetzt – durch Gutscheinkäufe oder Spenden. Das Theater am Puls in Schwetzingen beispielsweise hat ein Spendenkonto mit der IBAN: DE83 6725 0020 0009 2435 85 eingerichtet.

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