Schwetzingen

Schlossgarten Theater am Puls fiebert Open-Air-Vorstellungen entgegen / Erstes Stück ausverkauft

Jetzt gibt’s doch Geld vom Land

Archivartikel

„Es wird einer der schönsten Sommer werden.“ Joerg Steve Mohr strahlt übers ganze Gesicht. Selbst die dunklen Regenwolken über den südlichen Zirkelsälen wagen nicht, den Optimismus des Intendanten vom Theater am Puls (TaP) einzudämmen und ziehen über den Seepferdchengarten des Schlossparks hinweg. Endlich kann Mohr seiner Leidenschaft wieder nachgehen und Theater machen. Und zwar genau an der Stelle, an der er gerade steht.

Gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. René Pöltl, Schlossverwalterin Sandra Moritz, Walter Imhof vom TaP-Freundeskreis sowie Andrea Wilhelm von der hiesigen Veranstaltungstechnikfirma Wivent stellt er Medienvertretern aus Print und Hörfunk Details zum geplanten Bühnen-Open-Air vor (wir berichteten bereits exklusiv am Samstag). Vor dem südlichen Zirkel wird am Samstag eine vier mal sechs Meter große Bühne aufgebaut sein. Die 90 Stühle stehen auf dem Rasen vor dem Seepferdchenbrunnen, dessen sonst herrlich plätscherndes Wasser während der Vorstellungen abgestellt wird. Zirkelbau und Bäume werden mit Scheinwerfern stimmungsvoll illuminiert. Es soll ein ganz besonderes Theatererlebnis werden für alle Beteiligten – Zuschauer wie Akteure auf der Bühne und Techniker im Hintergrund.

„Die erste Vorstellung am Samstag ist schon ausverkauft“, verkündet Mohr, dass das Improvisationstheater „Als wir“ ein Kassenmagnet ist. Walter Imhof, Vorsitzender des TaP-Freundeskreises, ist sicher, dass etliche Mitglieder im Publikum sitzen werden, die „ihr“ Schauspielhaus in der schwierigen Zeit gerne unterstützen: „Wir haben keine Mitglieder verloren – im Gegenteil: Wir haben sogar mehr Mitglieder und sogar die 200er-Marke geknackt“, berichtet er von Neueintritten und 206 fördernden Theaterliebhabern.

Signal der Wertschätzung

Als solche stellen sich Sandra Moritz, Andrea Wilhelm und OB Pöltl heraus. Sandra Moritz hat alles in Gang gesetzt, um Mohr den Sommernachtstraum – um in der Theatersprache zu bleiben – möglich zu machen. Andrea Wilhelm brachte völlig unbürokratisch ihre Kompetenz ein und möchte dafür sorgen, dass nicht nur das Rampenlicht stimmt, sondern jeder Gast – selbst in den hintersten Reihen auf der Wiese – ein tolles Klangerlebnis hat. Alle seien nach der Zeit des auferlegten Berufsverbots glücklich, wieder einmal aktiv werden zu dürfen.

Und dann wäre da noch OB Pöltl: Die Sache mit der Förderabsage des Landes für das Theater ließen weder Mohr noch ihm Ruhe. Nachdem die Jury des „Kultursommers 2020“ die Bewerbung des TaP für Gelder abgelehnt hatte, sprang der OB in die Bresche und sagte eine finanzielle Unterstützung von 20 000 Euro zu. Dann telefonierte er noch mal mit Staatssekretärin Petra Olschowski im Wissenschaftsministerium, über das das Projekt „Kultursommer 2020“ lief. Olschowski sagte ihm daraufhin einen Zuschuss von 10 000 Euro zu, so dass die Stadt jetzt zwischen 13 000 und 14 000 statt der 20 000 Euro in die Hand nehmen muss. Das Muss ist dabei relativ: Der OB ließ keinen Zweifel daran, dass ihm die Schicksale der Menschen, der Künstler, am Herzen liegen. Denn die meisten TaP-Ensemble-Mitglieder wohnen nicht in Baden-Württemberg und profitieren daher auch nicht von den Hilfen, die es für diese Berufsgruppe nur hier im Land gibt. Das Wort Wertschätzung brachte an dieser Stelle Mohr mit ins Spiel. Die Rückmeldungen der Künstler zeigen, wie gut dies ankommt und welch wichtiges Zeichen es ist, dass das Theater auch für die ausgefallenen Auftritte die Gagen gezahlt habe. Denn die Stadt hat bei den Zuschüssen für die Institution wie auch für ihre Vereine keine Abstriche gemacht, im Gegenteil.

Nicht nur dafür zeigte sich Theatermann Mohr dankbar und konnte dass gar nicht genug zum Ausdruck bringen. Letztlich möchten doch alle, dass es einer der schönsten Sommer wird – und vielleicht nicht der letzte mit einem Open-Air-Theater in Schwetzingen.

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