Schwetzingen

Sonderführung Der andere Blick auf das Arboretum im Schlossgarten / Gerda Leuthardt begeistert die Teilnehmer mit ihrem umfangreichen Wissen

Kaffeepflanzen zierten einst die Orangerie

Archivartikel

Wussten Sie, dass der Lieblingsbaum des Kurfürsten die Kastanie war? Dass Salicin in der Rinde von Weiden vorhanden ist? Oder was Haribo mit der Maulbeerbaum-Allee, die Carl Theodor anlegen ließ, zu tun hat? Fast 30 Naturinteressierte, die bei schönem Frühlingswetter an der Spezialführung über das Arboretum teilnahmen, haben darüber auf dem zweistündigen Rundgang durch den Schlossgarten einiges erfahren. Gerda Leuthardt, Mitarbeiterin der Staatlichen Schlösser und Gärten, leitete die Veranstaltung.

Anhand von Daten, Erzählungen und Gedichten brachte sie den Teilnehmern die einzigartige Vielfalt der Natur im Park äußerst unterhaltsam näher. „Ich bin von der Führung restlos begeistert“, sagte am Ende die Schwetzingerin Silvia Schmitz. „Frau Leuthardt hat die vielen Informationen so abwechslungsreich verpackt, dass es bis zum Schluss spannend blieb.“

Imponierender Blick auf Fakten

Dieser Meinung schlossen sich viele an, auch Angela Bräunig, die gemeinsam mit ihrem Mann Manfred, beide neben Musik- auch große Parkliebhaber, an der Führung teilnahm. „Die Art, wie Gerda Leuthardt Informationen über Bäume mit einer Geschichte verband, imponierte. Der Blick ist doch ein ganz anderer, als wenn man so durchläuft.“

Die Führung war keine Botanik-lektion, die Teilnehmer sollten vor allem die Besonderheit des Baumbestands kennen- und schätzen lernen. „Heute schenken wir der Natur ein besonderes Augenmerk“, steckte Gerda Leuthardt den Rahmen ab, in dem sie ihre Führung konzipierte.

Sie wies darauf hin, dass Kurfürst Carl Theodor innerhalb von 30 Jahren den „schönsten Barockgarten Deutschlands“ entstehen ließ. Und sie begann mit den Linden, die rechts und links die Blumenrabatte flankieren und einmal im Jahr rückgeschnitten werden. Als „vegetative Architektur“ bezeichnete sie die Linden in Arkadenform, denen die Gärtner zwei Mal im Jahr einen Schnitt verpassen.

Strenge geometrische Formen

Danach näherte sich die Gruppe der von Nicolas de Pigage errichteten Orangerie, deren Hauptzierde zu Carl Theodors Zeit exotische Pflanzen wie Palmen, Zitrusfrüchte oder Kaffee waren. Vom Barockgarten, der nach strengen geometrischen Formen angelegt wurde, gelangten die Teilnehmer in eine ganz andere Landschaft: den Englischen Garten. Ludwig van Sckell schuf 1777 auf einem von Wasser umgebenen Gelände das „Arborium Theodoricum“, die erste im englischen Stil angelegte Parkanlage. Bäume aus aller Welt haben hier ein Zuhause gefunden. Die Gruppe genoss die Sicht auf den 1779 erbauten Tempel der Botanik und den Ruinen des Wasserkastells. „Bis zum Arboretum, diesem Kleinod, verirren sich meist nur wenige Spaziergänger“, bedauerte die Gästeführerin und machte auf das prächtige Eingangstor, das der Architekt Francesco Rabaliatti gestaltete, aufmerksam.

„Wir sind nun im 19. Jahrhundert angelangt, ab 1803 ist die Region badisch“, so Leuthardt. Markgraf Carl Friedrich erteilte dem neu ernannten Hofgärtner Johann Michael Zeyher den Auftrag, zum Nutzen der Wissenschaft einen botanischen Garten anzulegen. Dafür ließ er die Geflügel-Menagerie abreißen und eine Reihe von Bäumen und Sträuchern pflanzen. 1809 zählte die Bestandsliste 827 verschiedene Gehölzarten, „heute sind es mehr als 9500, darunter nur noch wenige aus der Erstpflanzung“.

Maulbeerbäume für Seidenraupen

Mit großem Interesse folgten die Teilnehmer den Ausführungen von Leuthardt, die mit sichtlicher Freude ihr reiches Wissen über all die fremdländischen und einheimischen Bäume preisgab. Gemeinsam wurden viele Baumarten bestaunt. Eine weniger bekannte Geschichte wusste sie rund um den Maulbeerbaum zu erzählen: Carl Theodor hat den Hugenotten Johann Peter Riegel mit Seidenraupenzucht beauftragt und ließ dafür 1600 Maulbeerbäume anpflanzen. Bemerkenswert sei, dass dieser in Bonn einen Nachfahren hatte: Hans Riegel, der Gründer der Firma Haribo.

Am „Ende der Welt“, eine der schönsten Illusionen im Schlossgarten, freuten sich die Teilnehmer über eine kleine Rast und Erfrischung mit Maulbeersaft und Vogelbeerschnaps, bevor es weiter in Richtung Zirkelbau ging.

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