Schwetzingen

Kinder waren Nikoläuse

Werner Schilling bedauert, dass ein Brauch nicht mehr gepflegt wird

Als Kinder gingen wir mit angeklebtem Wattebart, einer vom Papa aus rotem Filz gebastelten Mütze und einem alten Kartoffelsack in der Nachbarschaft von Haus zu Haus und sagten unser Sprüchlein auf: „Wir sind ganz arme Kinder und bräuchten was zu essen im kalten Winter.“ Die meisten Nachbarn in unserem Viertel hatten ein Herz für die kleinen Nikoläuse und schnell Äpfel, Nüsse, Mandarinen, Schokoladentäfelchen und allerlei Süßigkeiten zur Hand. Der Sack war stets gut gefüllt und der leckere Inhalt wurde voller Stolz den Eltern präsentiert.

Wegen der vielen „kleinen Nikoläuse“, die nach Einbruch der Dämmerung am 5. Dezember durch die Straßen zogen, war dieser Tag eben der „Kleine Nikolaus“. Der richtige große Nikolaus kam nur auf Bestellung der Eltern am 6. Dezember nach Hause, drohte mit seiner Rute und wusste immer bestens bescheid, wenn ein Bub immer seine kleine Schwester ärgerte oder ein Erstklässler öfter nicht seine Hausaufgaben machte. Wirklich schade, dass dieser „Kleine Nikolaus“-Brauch schon lange nicht mehr gepflegt wird und von „Halloween-Geistern“ vertrieben wurde. Die Bezeichnung Halloween stammt übrigens von „All Hallows’ Eve“ (der Abend vor Allerheiligen) ab und benennt die Volksbräuche in der Nacht vor Allerheiligen, vom 31. Oktober auf den 1. November. Dieses Brauchtum war ursprünglich vor allem im katholischen Irland verbreitet. Die irischen Einwanderer in den USA pflegten ihre Bräuche in Erinnerung an die Heimat und bauten sie aus. Und es dauerte nicht lange, da schwappte die Halloween-Welle nach Deutschland. Es gibt närrische Geister, die siedeln den Ursprung dieses Süßigkeiten-Sammelns in Österreich an, von wegen „Hallo Wien“. Aber hallo…

 
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