Schwetzingen

Renovierung Ehrenamtliche bereiten Kammer auf Winter vor / Arbeitsplatte erleichtert Sortieren der Spenden / Großes Regal bietet Platz

Kleiderstube strahlt in neuem Glanz

Die sechsjährige Natalia ist ganz aufgeregt. Zusammen mit ihrer Mutter steht sie in der Warteschlange vor der Kleiderstube im Eckhaus der Friedrichsfelder Straße. „Vielleicht finde ich ein neues paar Schuhe“, sagt sie und blickt von draußen mit leuchtenden Augen auf die vollen Kleiderständer, Regale und Kisten. Ungefähr einmal in der Woche kommen Mutter und Tochter hierher, um gegen eine Spende neue Kleidung zu kaufen.

Seit Juni 2016 gibt es die Kleiderstube nun und genauso lange sind auch die Verantwortlichen Ingrid Litschka und Jutta Richter mit dabei, die in ihr Ehrenamt viel Liebe, Engagement und Herzblut stecken. Ohne ihr Team von rund 20 ehrenamtlichen Helfern wäre das alles nicht möglich, betonen sie. Jeder mit einem „Appel + Ei“-Ausweis oder einem Duldungsformular für Flüchtlinge darf vorbeikommen und sich gegen eine Spende von 50 Cent bis 3 Euro pro Teil aussuchen, was immer er möchte. „Verschenken möchten wir die Kleidungsstücke nicht. Damit haben wir leider schlechte Erfahrungen gemacht“, erklärt Jutta Richter, warum T-Shirts, Kleider und Hosen nicht kostenlos hergegeben werden.

Rund 30 Kunden pro Tag

Rund 30 Kunden kommen täglich in die Kleiderstube, die wie ein Laden aufgebaut ist. „Es könnten aber viel mehr sein“, ermutigen die beiden Frauen Bedürftige dazu, mal vorbeizuschauen. Die Räumlichkeiten bieten alles, was ein normales Kleidergeschäft auch zu bieten hat – sogar eine Umkleidekabine gibt es. Und wenn gewünscht, beraten die ehrenamtlichen Helferinnen die Besucher kurzerhand.

Die Kleiderstube hat jeden Tag geöffnet, „wenn niemand kurzfristig ausfällt“, und strahlt jetzt außerdem in neuem Glanz: In der Mitte des Raumes steht ein großes Regal, das die Lernpraxis Werkstatt Weinheim passgenau gebaut hat. Dort hängen nun karierte Hemden, hellbraune Pullover und schicke Blusen. Im Küchenbereich, wo vorher eine alte Bierbank zum Sortieren der gespendeten Kleidung diente, hat der Bauhof außerdem eine Arbeitsplatte eingebaut. „Da sortiert es sich gleich viel leichter“, meint Helferin Monika Thür, während sie einen orangefarbenen Pullover faltet. Sechs Säcke warten noch darauf, in die Regale und Kisten eingeräumt zu werden.

An Spenden mangelt es der Kleiderkammer nicht. „Wir freuen uns immer über Spenden. Aktuell nehmen wir allerdings nur Kleidung für den Herbst und Winter an, weil wir keine Möglichkeit haben, Sommersachen zu lagern“, meint Ingrid Litschka. „Außerdem sollten die Stücke in einem guten Zustand sein und keine Löcher oder Flecken haben“, fügt Jutta Richter hinzu.

Natalia hat derweil den Laden betreten und stöbert begeistert in den Kisten mit Kinderkleidung. Am Eingang steht ein kleiner Tisch mit Spielsachen, der es ihr besonders angetan haben. Wegen der Corona-Krise dürfen nur zwei Kunden gleichzeitig in den Laden. Deshalb warten die Kunden teilweise draußen. In der Schlange steht auch Velin aus Schwetzingen. Zwei- bis dreimal im Monat komme er in die Friedrichsfelder Straße und „schaue, was es so gibt.“ Einige gute Sachen habe er hier schon bekommen – Schuhe und eine Jacke zum Beispiel.

„Wenn wir Kleidungsstücke lange nicht verkaufen, geben wir sie an das Rote Kreuz weiter“, erklären Ingrid Lischka und Jutta Richter, dass nichts einfach in die Tonne kommt. Das ist auch Edeltraut Kürschner wichtig. Sie bringt regelmäßig Kleidungsstücke, die sie nicht mehr braucht, zur Kleiderkammer. „So werden Sachen weitergetragen; sie sind schließlich noch gut“, sagt sie.

Die Entwicklung der Kleiderstube sehen alle – inklusive Integrationsbeauftragter Markus Liu-Wallenwein – sehr positiv. „Es wird super angenommen“, meint Jutta Richter zufrieden und betont: „Neue Kundschaft ist jederzeit willkommen.“

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