Schwetzingen

Tag des offenen Denkmals 130 Zuhörer erleben beim Orgelspaziergang die Klangvielfalt

„Königin“ steht im Mittelpunkt

Die Orgeln in der evangelischen Stadtkirche, der Schlosskapelle und der katholischen Kirche St. Pankratius erklangen zum vierten Mal beim Tag des offenen Denkmals. Die Moderatoren des Orgelspaziergangs, Kulturreferentin Dr. Barbara Gilsdorf und Kunsthistoriker Wolfgang Schröck-Schmidt, waren erfreut über den Ansturm von rund 130 Menschen, die den Klängen der „Königin der Instrumente“ lauschen wollten.

Die Teilnehmer hörten nicht nur die Vielfalt der Klangfarben, die lauten und leisen Töne, sondern erfuhren auch noch Interessantes zu den Orgeln. So verriet Kirchenmusikdirektor Detlev Helmer in der Stadtkirche, der ersten Station des Spaziergangs, dass die Orgel 30 Register, also Pfeifenreihen gleicher Klangart, besitzt. Er nahm die Zuhörer mit in die Welt von Johann Sebastian Bach und zeigte dabei „einen Wechsel von punktiertem Rhythmus“, während seine Finger und Füße flink über die Tasten und Pedalen glitten. Bei Franz Liszt türmten sich die Akkorde auf dem 1995 von der Firma Förster & Nicolaus aus Lich (Hessen) erbauten Instrument auf.

Der Rundgang durch die Schwetzinger Orgellandschaft führte dann in die Schlosskapelle. Organist Heinz-Georg Saalmüller stellte „seine“ Orgel als Kleinste der drei vor, „aber dennoch hat sie alles, was man braucht“. Sie wurde um 1806 von Andreas Ubhauser erbaut – „noch 95 Prozent sind original erhalten“, erklärte Saalmüller. Er setzte Akzente mit Werken der französischen Orgelliteratur des 17. bis 20. Jahrhunderts. Damit trug er zur 50-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Schwetzingen und Lunéville bei, erläuterte der Organist weiter. Er spielte zudem Stücke von Clérambault, Mozart, Lully, Boëly, Guilmant und Dubois auf dem über 200 Jahre alten Instrument und nutzte dabei die Palette der zehn Register aus.

Eine Besonderheit erfuhren die Besucher in der katholischen Kirche St. Pankratius. So verriet Gilsdorf, dass das Unterteil der Hauptorgel aus dem Jahr 1766 stammt und unter Denkmalschutz steht. Der obere Teil wurde 2005 erneuert. Auch hörenswert: Das Instrument besitzt 39 Glocken, die wunderbar zart klingen. Dass sich Richard Wagner und das Orgelspiel vereinen lassen, zeigte Wolfgang Riedel mit Orgeltranskriptionen aus Bühnenwerken Wagners. Die Vielfalt der 35 Register wurde mit Musikstücken aus „Die Meistersinger von Nürnberg“, „Rienzi“ und „Tristan und Isolde“ trefflich dargestellt.

Beeindruckt und überwältigt

Nach so viel Musik und Informationen tauschten sich die Zuhörer im Anschluss miteinander aus. Frank Martin Beck aus Sulzfeld bei Eppingen zeigte sich überaus begeistert, nicht nur von seinem Bekannten Wolfgang Riedel, der ihn nach Schwetzingen einlud. „Die unterschiedlichen Klangfarben waren sehr beeindruckend. Und sehr hilfreich waren die Erklärungen zu Beginn“, so Beck. Und auch die Schwetzingerin Ursula Pusch war von ihrem ersten Orgelspaziergang beeindruckt. „Es war sehr schön, geradezu überwältigend. Einfach mal bewusst zuhören, ohne Ablenkung“, schwärmte sie von diesem einzigartigen Erlebnis.

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