Schwetzingen

„Körperkontakt“ – eine Hymne in einer distanzerfüllten Zeit

Archivartikel

Dieses Konzert machte den derzeitigen Verlust, aus dem nicht da sein können, überdeutlich. Nicht auf Konzerte gehen zu dürfen ist hart. Doch beim Streaming-Konzert von Cris Cosmo und seiner Band live aus der Wollfabrik geriet dieses Nicht-hingehen-dürfen sehr an die Schmerzgrenze. Im Chat zu dem Konzert, dem live mit nur 80 Leuten leider relativ wenige gefolgt sind, stand der Ruf „ich will dahin“ auch ganz oben. Ein Satz, den hier angesichts des digitalen Begeisterungssturms wohl alle unterschrieben hätten. Cris Cosmo begeisterte einmal mehr mit einer Mischung aus glitzernder Partymusik und nachdenklicher Haltung. Das können so nicht viele Musiker.

Der Mann drehte mit seinen fünf Mitstreitern Darius Schuh bahsan (Saxofon), Tobi Nessel (Schlagzeug), Mathias Orgler (Keyboard), Stephan Udri (Trompete) und Sascha Feldmann (Bass) den musikalischen Motor in Sekunden auf Vollgas. Die klare Devise: „vom Rumsitzen und Motzen wird nichts besser“. Im Gegenteil sogar: Wenn es nicht gelänge, alles mit Liebe zu unterwandern, wird es nur schlimmer. Für den Cosmo-Unkundigen hört sich das schnell nach Schmalz an. Doch davon ist der Entertainer Lichtjahre entfernt. Mit seinen Liedern, in denen er auch Mal dazu aufruft, die Augen aufzumachen und endlich aufzustehen, denn „am Ende sitzen wir alle in einem Boot“, ist er keine Sekunde missionarisch, sondern einfach authentisch und gut gelaunt.

Was in Musikern wie Cosmo steckt, erkennt man auch in Bezug auf die in Corona-Zeiten entstandene Blitzlied-Aktion. Blitzlied heißt, auf Wunsch in wenigen Minuten oder Stunden einen Song schreiben. Bei einer SWR-Aktion hat er beispielsweise mit 40 vorgegebenen Wörtern in zwei Stunden den Titel „Wir schaffen das zusammen“ komponiert – und der Song ist gut.

Etwas melancholischer ging es mit dem Lied „Nach dir gesehnt“ zu. Wobei er wenige Augenblicke später mit „Körperkontakt“ wieder voll aufdrehte. Ein Lied, das derzeit das Zeug zu einer Hymne hat. Anschließend ging es um den perfekten Sommer, der uns allen bevorsteht, und dann schloss er mit dem Song „Namaste“, bei dem er das Göttliche in jedem feierte. Und sogar bei diesem – zugegeben etwas überladenen – Text verstand er es, gute Laune zu verbreiten. Das Konzert war ein kleines Ereignis – klein war es jedoch nur, weil es im Bildschirm gefangen war. Die Band persönlich und nah auf der Bühne zu sehen, ist stets ein großes Ereignis, das hoffentlich bald wieder erlebbar wird. ske

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