Schwetzingen

Woche der seelischen Gesundheit Wie erkrankte Menschen die Kunst zur Heilung nutzen können / Vernissage in St. Thomas

Kreativität sorgt für Spaß und einen guten Ausgleich

Caritasverband, Wohnheim St. Thomas, das Zentrum für Psychische Gesundheit und das Bündnis gegen Depression machen bei der „Woche der seelischen Gesundheit“ mit. Zum Auftakt präsentierte der gemeinnützige Verein St. Thomas in seinem Haus in der Karlsruher Straße 48 Kunstwerke von psychisch kranken Menschen, die in der Einrichtung mit offener Wohnform betreut werden.

St. Thomas unterhält auch Wohnheime in Heidelberg und Graben-Neudorf sowie verschiedene Außenwohngruppen. Die Beschäftigungstherapie umfasst verschiedene handwerkliche und künstlerische Angebote wie Malerei, Holz- und Tonarbeiten. Geschäftsführer Gonzalo Casanova Castillo ging in seiner Begrüßung auf das Motto „Gestresste Gesellschaft – was tun?“ ein. Die von Hausleiterin Christina White und ihrem Team zusammengestellte Werkschau zeige „wirkliche Kunst“. Er staune immer wieder, wie sehr Menschen vom Stress betroffen sein können. Es falle vielen Menschen schwer, mal nichts zu tun.

Neben den Bildern im Foyer waren im Garten Produkte aus der Beschäftigungstherapie, wie Windlichter, Lavendelsäckchen, Eulen und Deko-Holzscheiben, zu sehen. Die Werke seelisch kranker Menschen, wie sie jetzt in der Einrichtung mit ihren 40 Wohnplätzen zu sehen waren, sind beeindruckend. „Neuanfang“ heißt ein Gemälde von Louisa Wrobel. Der Titel stehe auch für ihr eigenes Leben, sagt die 22-Jährige unserer Zeitung. Sie habe schon als Kind gemalt, dann eine Weile ausgesetzt, hier in St. Thomas aber wieder mit dem kreativen Schaffen angefangen.

Ein Bild für die Kanzlerin

„Die Kraft der Weiblichkeit“ hat Helmut Träger zum Thema eines Gemäldes gemacht. Der 52-Jährige, der seit eineinhalb Jahren in St. Thomas lebt, hat vier Exponate in der Ausstellung. Er male schon seit seinem 18. Lebensjahr, sagt er unserer Zeitung: „Manchmal arbeite ich lange an einem Bild, manchmal nur wenige Stunden. Es macht aber immer Spaß und ist ein guter Ausgleich.“ Sein Bild „Paryysika“ erinnere an das antike Persien. Das Bild „Trasher Love“ sei extra „für Bundeskanzlerin Angela Merkel“ gemalt worden, „weil sie immer im Stress ist“.

Der 1992 ins Leben gerufene Welttag der seelischen Gesundheit findet jährlich am 10. Oktober statt, um auf die Belange von psychisch erkrankten Menschen aufmerksam zu machen. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit will mit dieser Woche Zeichen setzen gegen Vorurteile und Stigmatisierung psychischer Erkrankungen. Die seelische Gesundheit könne durch Veranstaltungen wie die Vernissage in St. Thomas in den Fokus rücken. vw

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