Schwetzingen

Kreisstadt statt „Schwofterstadt“

Archivartikel

Gerhard Stratthaus erinnert sich noch gut an die Ernennung vor 25 Jahren

Heute klingt das so, als sei Schwetzingen beinahe selbstverständlich zur Großen Kreisstadt geworden, als die 20 000 Einwohner überschritten waren – war das so?

Stratthaus: Es gab keinen Automatismus. Die Stadt konnte den Antrag stellen, wenn die 20 000 Einwohner überschritten wurden. Damals wuchsen fast alle Gemeinden in unserer Region stark durch eine Reihe von Neubaugebieten. Aber es mussten auch weitere Zentralitätskriterien erfüllt werden. Ich weiß, dass Gemeinden, die aus der Zusammenlegung mehrerer Ortsteile die Einwohnerzahl auch erfüllt hatten, nicht zur Großen Kreisstadt gemacht wurden.

Mussten Sie da in Stuttgart auch Ihren Einfluss als CDU-Landtagsabgeordneter geltend machen?

Stratthaus: Das Kabinett, dem ich damals noch nicht angehört habe, musste es beschließen und es war sicherlich nicht schlecht, dass ich damals in Stuttgart vor Ort war. Aber der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel war ein Befürworter Schwetzingens und die meisten im Landtag dachten sowieso, dass Schwetzingen längst Große Kreisstadt sei, durch die Bekanntheit des Schlosses, der Festspiele und des Spargelanbaus. Und doch hat es Bürgermeisterkollegen und andere Politiker überrascht, dass der Ministerpräsident selbst vor Ort die Urkunde überreichen wollte. Offensichtlich hatte er damals schon seine Pläne mit mir. Fünf Jahre später – übrigens am 11.11.1998 fast zur närrischen Uhrzeit 11.11 hat mich Teufel im Auto angerufen und mich zu sich nach Hause ins Privathaus nach Spaichingen eingeladen, was damals eine besondere Ehre war, dort hat er mir dann gesagt, dass er mich zum Finanzminister machen wolle.

Schwetzingen hat ja dann einen Schritt nach vorn gemacht, bei der Gemeindereform hatte man eine Zusammenlegung mit Oftersheim und Plankstadt abgelehnt?

Stratthaus: Wir haben Aufgaben dazubekommen und auch kräftig in den Bau des Ordnungsamtes und des Bauamtes investiert. Es ging aufwärts mit der Stadt und wir haben uns darüber gefreut. Übrigens gab es damals ja schon einen Spitznamen für die drei Gemeinden, wenn sie zusammengelegt worden wären: Die Stadt sollte „Schwofterstadt“ heißen – so war es jedenfalls später mal in einem Leserbrief zu lesen. jüg

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