Schwetzingen

80 Jahre Kugelschreiber Kinderärztin und Lehrerin sehen für Schüler Nachteil in Kultschreibgerät

„Kuli“ bringt Schriftbild nicht richtig in Schwung

Archivartikel

Der Kugelschreiber feiert morgen seinen 80. Geburtstag. Aus den Köpfen der Menschen ist er nicht mehr wegzudenken. Es gibt ihn in allen Formen, Farben und Größen. Für die einen ist es lediglich ein nützliches Schreibgerät, für die anderen gar ein begehrtes Sammelobjekt aufgrund seiner vielfältigen Exemplare. Es gibt kaum ein Unternehmen, dass den Kugelschreiber nicht auch als Werbemittel benutzt – er ist halt praktisch und jeder braucht irgendwann mal einen. Dazu bietet er Platz für individuelle Gravuren.

Die Erfolgsreise des Kugelschreibers begann mit der Erfindung des Ungars László József Bíró. Gemeinsam mit seinem Bruder wollte er ein Schreibgerät entwickeln, mit dem es möglich werden sollte, Farbe auf Papier zu bringen – ohne Klecksereien. 1938 war der Kugelschreiber durch die Patentanmeldung geboren. Zwölf Jahre später wurde in Deutschland der erste Kugelschreiber verkauft. Er kostete 20 DM.

Doch nicht überall sorgt der „Kuli“, wie er umgangssprachlich genannt wird, für Begeisterung. Viele erinnern sich vielleicht noch an die Grundschulzeit. Hier hieß es: Bitte mit Füller schreiben! Aber warum eigentlich? Ein Hauptgrund ist sicherlich, das Schönschreiben zu fördern, die schwungvollen Linien bei den Buchstaben in „Schreibschrift“. „Durch die flüssige Tinte kommen die Schwungbewegungen besser zur Geltung“, erklärt zudem die Schwetzinger Kinderärztin Barbara Zielinska-Nolte, die den Füller auch als „handlicher“ bezeichnet. Aus dem Nachteil, dass Tinte kleckst und verschmiert, zieht sie den Vorteil für die Kinder, dass diese dadurch lernen, mehr aufzupassen. Übrigens: Zielinska-Nolte schreibt selbst am liebsten mit dem Bleistift: „Kulis sind meist Billigexporte, die Chemikalien enthalten. Der Bleistift ist einfach umweltfreundlicher“, macht sie ihren Standpunkt klar.

Apropos: Mit Bleistift lernen auch die Erst- und Zweitklässler der Hirschacker-Grundschule die ersten Buchstaben zu schreiben. Das sei wichtig für die Entwicklung der Handschrift, erklärt Schulleiterin Christine Winkler-Knieriem, die „Kulis“ an der Schule auch nicht gerne sieht. „Unsere Schüler machen eine Füllerführerscheinprüfung und dürfen danach mit dem Füller schreiben.“ Dabei müssen die Schüler die Teile des Füllers benennen, sorgsam mit ihm umgehen und einen kleinen Text sauber abschreiben. Winkler-Knieriem ist davon überzeugt, dass die Nutzung des Füllers vor allem aufgrund der ergonomischen Passform wichtig ist und dies für ein flüssigeres und ruhigeres Schreiben sorgt, auch wenn viele der Erst- und Zweitklässler an ihrer Einrichtung den radierbaren Tintenroller bevorzugen. Dessen Nachteil: Durch das Ausradieren von Fehlern entsteht ein unleserliches Schriftbild. Für die Rektorin gibt es das ideale Schreibgerät nicht. Ihrer Ansicht nach muss daher jeder Schüler individuell betrachtet werden: „Im Vordergrund steht die Freude und Motivation am Erstellen von Schreibprodukten“.

Tipp von Kinderärztin

Karin Holzmann, Lehrerin an der Schimper-Schule, hat sich mit Fee und Felicitas aus der sechsten Klasse, Gedanken über den Kugelschreiber gemacht. Er gehört zu den meistgenutzten Stiften, „vor allem, weil er billig ist“, notieren die Schülerinnen. Doch sie stellen fest, dass es auch Nachteile gibt, „da er sich nicht entfernen lässt und man nicht so einfach, wie beim Füller, die Patrone wechseln kann.“ In weiterführenden Schulen hat sich dennoch der „Kuli“ durchgesetzt – mit ihm lässt sich meist schneller schreiben, sehen ältere Schüler darin einen Vorteil.

Für die Eltern, deren Kinder mit „Kuli“ schreiben wollen, hat Kinderärztin Barbara Zielinska-Nolte folgenden Tipp: „Geben Sie ihrem Kind ein Blatt Papier und lassen Sie es mit Füller etwas schreiben. Wenn das Papier durchgedrückt wird, sollten die Kinder noch nicht mit dem Kugelschreiber schreiben.“

Wie auch immer: Auch künftig werden sicherlich viele Einkaufszettel, Notizen, Geschichten und Tagebüchereinträge mit Kugelschreibern zustande kommen. Daher: Weiter alles Gute, „Kuli“!

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