Schwetzingen

Soziale Förderung Eintrittskarten für Menschen mit geringem Einkommen / Auch Flüchtlinge profitieren von Projekt / Besuch von Ausstellungen und Konzerten soll aus der Isolation befreien

Kulturpass für mehr Zugehörigkeitsgefühl

"Kultur darf kein Luxus sein", lautet der Leitspruch des Vereins "Kulturparkett Rhein-Neckar". Ab der kommenden Woche wird auch in Schwetzingen der Kulturpass ausgegeben, mit dem Menschen mit einem geringen Einkommen kostenfrei an Kulturveranstaltungen im Rhein-Neckar-Kreis teilnehmen können. Bei einem Redaktionsbesuch sprachen Manfred Kern, Landtagsabgeordneter und kulturpolitischer Sprecher bei den Grünen, Anne-Marie Geisthardt, die Geschäftsführerin des Vereins "Kulturparkett Rhein-Neckar", und Ute Spendler, ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Kulturparkett, über die vielen Möglichkeiten, die sich mit dem Kulturpass eröffnen.

Frau Geisthardt, an wen richtet sich das Angebot des Kulturpasses?

Anne-Marie Geisthardt: Das Angebot richtet sich an Menschen mit geringem Einkommen, die auf normalem Weg kaum einen Zugang zu Kulturangeboten wahrnehmen können. In diese Gruppe fallen jene, die auf die eine oder andere Weise vom Staat Sozialleistungen beziehen und alleine zu wenig Geld haben, um Kulturveranstaltungen zu besuchen.

Manfred Kern: Was für uns auch bedeutend ist, ist, dass auch die Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, also geduldete Flüchtlinge sind, dadurch Zugang zu den Kulturveranstaltungen bekommen können.

Welche Veranstaltungen kann man mit dem Kulturpass besuchen?

Kern: Unzählige. Kulturpartner in Schwetzingen sind unter anderen die Schwetzinger Festspiele, die Mozartgesellschaft, die Volkshochschule, die Buchhandlung Kieser, das Karl-Wörn-Haus, die Kurpfälzer Bühne sowie die Jazz-Initiative aber auch die ADTV-Tanzschule Kiefer sowie die Schwetzinger Ballettschule sind mit dabei. In Mannheim gibt es den Kulturpass seit 2013, in Heidelberg seit 2015. Das Angebot kommt super an. Auch in diesen Städten bekommt man kostenfreie Eintrittskarten mit dem Schwetzinger Kulturpass.

Ute Spendler: In Mannheim haben wir gerade erst den SV Waldhof als Partner gewinnen können, der ein großes Kontingent an Karten gespendet hat. Damit erweitert sich der Begriff Kultur, auch in Schwetzingen werden wir uns an die Sportvereine wenden.

Gibt es spezielle Angebote für Kinder?

Geisthardt: Ja, es gibt Kinderveranstaltungen, viele Theater oder auch das Planetarium in Mannheim bieten Kindervorstellungen an, es gibt Figurentheatertage und Zirkusveranstaltungen. Auch dafür haben wir Kartenkontingente. Insgesamt geht es darum, ein möglichst breites und vielfältiges Kulturangebot auf die Beine zu stellen. Familien spielen dabei natürlich eine wichtige Rolle, Kinder bekommen einen eigenen Pass. Für jeden Geschmack und für jedes Alter ist was dabei.

Gibt es auch Institutionen in Schwetzingen, die nicht mitmachen?

Kern: Derzeit ja, aber das ist ein momentaner Zustand. Das "Theater am Puls" gehört da leider mit dazu. Die haben ein sehr tolles Programmangebot. Finanziell sind sie leider sehr eng gestickt, obwohl auch vom Land Gelder fließen. Auf diese Unterstützung sind wir stolz. Aber es ist immer noch nicht so, dass die Schauspieler ordentlich bezahlt werden können.

Da verstehe ich es, wenn Herr Mohr keine Gratiskontingente vergeben kann. Die Verantwortung für das Kulturangebot liegt eigentlich bei der Kommune, und ich kann mir vorstellen, dass die Stadt die Unterstützung erhöht, wenn der öffentliche Druck, gerade im Rahmen des Kulturpasses, zunimmt.

Wo bekomme ich in Schwetzingen den Kulturpass?

Spendler: Wir werden - als Startdatum ist Mittwoch, 20. September, geplant - einmal pro Woche eine Sprechstunde zwischen 17 und 19 Uhr anbieten. Dort kann man den Kulturpass beantragen. Angedacht war die Friedrichstraße 8, da gibt es im Moment noch einige Ungewissheiten. Falls es dort nicht bis zum geplanten Termin klappt, findet die Sprechstunde erstmal im Wahlkreisbüro von Manfred Kern statt. Am Samstag, 16. September, ist bereits unsere Auftaktveranstaltung in der Alten Wollfabrik. Unterschiedliche Musikgruppen werden Auftreten, auch gibt es eine kleine Kunstausstellung. Einlass ist ab 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Wie wird in Schwetzingen das Angebot gefördert und finanziert?

Kern: Grüne und FDP haben gemeinsam im Gemeinderat eine Initiative gestartet und einen Zuschuss von 2000 Euro pro Jahr für die Verwaltungskosten erzielt. Jetzt ist es so, dass die Nachbargemeinden Plankstadt und Oftersheim vielleicht auch noch miteinbezogen werden. Ansonsten lebt der Verein natürlich von den ehrenamtlichen Mitarbeitern, ohne deren Engagement ein solches Projekt nicht möglich wäre. Und den Kulturpartnern natürlich, die die Freikarten zur Verfügung stellen. Ich bin zuversichtlich, dass wir im Laufe des Spätjahres, wenn für das nächste Jahr budgetiert wird, auch noch weitere Sponsoren finden werden.

Welche Chancen ergeben sich durch den Kulturpass?

Geisthardt: Sowohl auf der gesellschaftlichen wie auch auf der individuellen Ebene ergeben sich viele Vorteile, wenn alle Menschen, unabhängig vom Geldbeutel, am kulturellen Leben teilhaben können. Kultur ist der soziale Kit. Es werden neue Verbindungen geschaffen. Die Menschen fühlen sich dadurch nicht mehr isoliert und ausgeschlossen, das Zugehörigkeitsgefühl wird gestärkt. Es entstehen neue Impulse für die Lebensbewältigung.

Besteht die Gefahr, dass durch den Kulturpass der Wert der Kultur nicht mehr geschätzt wird?

Geisthardt: Nein, manch einer mag denken, dass in unserer Gesellschaft nur etwas wertvoll ist, was einen bezifferten Wert hat. Wenn man eine gute Vermittlung anbietet und mit den Menschen ins Gespräch kommt, passiert es auf keinen Fall, dass Leute sagen: Nur weil es geschenkt ist, ist es nichts wert. Im Gegenteil, die Menschen sind sehr dankbar und bringen das in unserer Sprechstunde auch zum Ausdruck. Weiterverkauft werden können die Tickets nicht, denn diese sind nur in Verbindung mit dem Kulturpass gültig, der auch an der Kasse vorgezeigt werden muss.

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