Schwetzingen

Theater am Puls Nici Neiss und Markus Kapp zeigen mit „Hier liegen Sie richtig“ ihr Gespür für doppelbödige Pointen

Lachen – bis zum letzten Atemzug

Archivartikel

Es ist eine beispiellose Werbekampagne, die das Duo Nici Neiss und Markus Kapp in ihrem neuen Programm „Hier liegen Sie richtig“ für das Bestattungsinstitut „Happy End“ startet. Die Komiker werfen einen kabarettistischen Blick auf ein Thema, das mit Humor selten in Verbindung gebracht wird: den Tod.

Mit ihrem Gastspiel am Freitagabend im Theater am Puls bewiesen die Sängerin, Schauspielerin und Autorin Nici Neiss und der Musiker, Komponist sowie Arrangeur Markus Kapp, dass man Tabus brechen und auch Lacher hervorrufen kann, wo sonst Angst und Schweigen herrscht.

Überraschende Wendungen

Ja, irgendwann ist es soweit, dann ist man tot, überlegen die beiden Mitarbeiter des Bestattungsinstituts „Happy End“. „Gott sei Dank gibt es uns, wir erledigen alles für unsere Kunden und machen sie fit für die ewigen Jagdgründe. Mit dem Satz „Bei uns liegen Sie richtig“ werben sie für komfortable Särge, für Betroffene mehr als tröstlich. Das Komiker-Duo mit Markus Kapp am Klavier sang „Heute fangen wir an, ans Ende zu denken“, erzählte wie nebenbei herrlich makabere und bizarre Geschichten („Da gibt es einen abgehobenen Künstler in Ghana, der schnitzt ganz irre Paradiessärge in Form von mannshohen bunten Cola-Dosen, Bananen, Schiffen, Flugzeugen, Klaviere, alles, was man sich wünscht“), lässt keine Kalauer aus („Wann ist man eigentlich tot? Wenn man morgens aufwacht und es tut nichts mehr weh.“)

In den Nummern des zweistündigen Programms mit völlig überraschenden Wendungen, liefern sie sich Wortspiele, die ihren Witz aus Bedeutungsverschiebungen und Missverständnissen ziehen („Es gibt Menschen, die sind seit Jahrzehnten hirntot, gehen aber trotzdem in die Kneipe: Das Hirn ist tot, aber die Leber arbeitet“).

Denn die beiden rückten ans Geschehen auch das Publikum dicht heran, besonders einen Mann in der ersten Reihe, Herrn Jatzek. Stets zogen sie ihn ein in den Dialog, erwarteten von ihm Antworten auf Fragen, auf die es keine Antwort gibt („Was passiert nach dem Tod?“).

Die Konkurrenz, das Bestattungsinstitut „Endlich“, schläft nicht, es ist bemüht, ihnen die lukrativsten Aufträge wegzuschnappen. An kreativen, publikumswirksamen Ideen fehlt es dem Duo nicht. Viel Gelächter riefen die telefonischen Interventionen einer Frau Kuzminski hervor, die das Bestattungsinstitut „Happy End“ mit einem Pizza-Service verwechselte, der Auftritt des Duos als Expertenteam Friedemann für Fragen, was nach dem Tod passiert („Sicher ist: Der Tod ist nicht das Ende. Es folgt der Streit ums Erbe“), oder die Vorführung der drei Gewinnerinnen (eine Ungarin, Schweizerin und Deutsche) des „Miss Abschied“-Wettbewerbs.

Einen ganz Tag Achterbahnfahren

Wie die Schauspielerin Nici Neiss die verschiedenen Facetten dieser drei Figuren sowie auch die der Heidi Klum zum Ausdruck brachte, war umwerfend komisch. Bestens amüsierte auch der konstruktive Vorschlag der beiden, auf einer Löffel-Liste aufzuschreiben, was man alles noch so erleben will, bevor man den Löffel abgibt. Dafür gab das Duo ein paar nützliche Tipps: mal auf der Autobahn wenden oder einen ganzen Tag lang Achterbahn fahren.

Der Ideenreichtum, die Songs zwischen den Nummern, die sprach-spielerische Schlagfertigkeit und die überraschend fantasievollen Kostüme boten dem Publikum einen höchst vergnüglichen Theaterabend, woran nicht zuletzt auch der Intendant Joerg Steve Mohr sowie die Licht- und Tontechnik einen großen Anteil hatten.

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