Schwetzingen

Schlossgarten Was eine stattliche Eiche so alles kann und wie Ebereschenkompott mundet / Eine Kräuterwanderung mit dem Nabu

Lecker oder giftig – das ist hier die Frage

Ein herbstlich buntes Bild bietet zur Zeit der Schlossgarten. Genau die richtige Kulisse für die ökologisch-naturheilkundliche Exkursion, zu der die Nabu-Ortsgruppe eingeladen hatte. Nach der Frühlingswanderung im Oftersheimer Wald führten die Referenten Beatrice Heid und Peter Rösch diesmal zum Thema „Früchte und Herbst“ durch den englischen Teil des Gartens.

Gleich zu Beginn bot sich die große Eiche an, um auf die vielseitige Bedeutung der Pflanzen für den Menschen hinzuweisen. Ihre Eicheln dienten in Notzeiten geröstet als Kaffee-Ersatz und hatten gemahlen und mit Roggenmehl verbacken als „Hungerbrot“ Bedeutung für die menschliche Ernährung. Hausschweine wurden vor Einführung der Kartoffel zur Mast in den Eichenwald getrieben und dieser wurde nicht nach dem Holzerlös bewertet, sondern nach der Anzahl der Schweine, die er ernähren konnte.

Eine große Eiche wandelt pro Jahr 6000 Kilo CO2 in 4500 Kilo Sauerstoff um, der verbliebene Kohlenstoff wird im Holzkörper eingelagert. Nicht zu vergessen die Bedeutung für die Tierwelt: Hunderte von Insektenarten leben in, an und von ihr.

Die Früchte der Linde mit ihrem Hochblatt als Flugapparat werden dagegen über weite Strecken vom Wind verbreitet und können im Frühling, im Zustand der Blüte, als Tee gesammelt werden. Er hilft unter anderem Erkältungen zu lindern. Die beste Sammelzeit, einige Tage nach dem Erblühen, wird von Bienen angezeigt, denn dann sind sie beim Nektarsammeln an Lindenblüten zu beobachten.

30 Pflanzen und Früchte gezeigt

Wertvolle Nahrungsmittel wie Hasel- und Walnuss wachsen im Schlossgarten gleich neben Früchten, die lecker aussehen, aber stark giftig sind – wie die der Eibe oder des Pfaffenhütchens. Mehr als 30 Pflanzen und deren Früchte konnten die beiden Exkursionsleiter vorstellen, bis ein Regenschauer den Garten in eine Wasserwelt verwandelte. Die Bäume wird es gefreut haben und die 13 Exkursionsteilnehmer sahen keinen Grund, den Rundgang abzubrechen. Ein Stückchen weiter standen Weißdorn, Hartriegel und Heckenrose einträchtig beieinander und eignen sich so auch für den heimischen Garten – als schnittverträgliche Vogelschutzhecke. An anderer Stelle leuchtete wilder Wein in den schönsten Herbsttönen. Die roten, orangenen und gelben Farben sind das ganze Jahr über in den Blättern, werden aber vom Blattgrün überdeckt. Erst wenn dieses abgebaut und eingelagert wird, kommen auch die anderen Farben zur Geltung.

Jürgen Hauschild, Fledermaus-Experte der Nabu-Ortsgruppe, fand noch einige Worte zu den vielfach im Schlossgarten aufgehängten Fledermauskästen, bevor sich die Gruppe zum Abschluss unter dem Dach des Aquäduktes versammelte, wo Beatrice Heid selbstgemachte Köstlichkeiten aus der Kräuterküche anbot. Schlehenmus, Hagebuttensenf und Ebereschenkompott bescherten neue Geschmackserlebnisse. zg

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