Schwetzingen

Jubiläum Traudl und Helmut Hopp haben sich vor 60 Jahren in der Rechtspflegerschule verliebt / Nun kehren sie zu dem Ort ihres ersten Kusses im Schlossgarten zurück

Liebe begann auf der Hochschulbank

Archivartikel

Hier hat er seine Traudl vor 60 Jahren das erste Mal geküsst: Helmut Hopp zeigt mit dem Finger auf einen kleinen Weg im Schlossgarten. Die beiden sind am Zirkelsaal und am Rokokotheater vorbeigelaufen und schnurstraks auf eine unscheinbare kleine Ecke zugesteuert, die von hohen Gebüschen verdeckt ist.

„Früher waren die Gebüsche noch nicht da, aber hier war es“, sagt der 82-Jährige strahlend. „Damals war er noch etwas größer“, sagt die 78-jährige Traudl Hopp und lacht, als ihr Mann sie an ihrem blau weiß gestreiften Blazer liebevoll zu sich zieht. Kurz bevor sich ihre Lippen berühren, erröten ihre Wangen leicht. Denn an diesem Tag sind sie nicht alleine an ihrem besonderen Platz im Schlossgarten.

Frank Haarer, Rektor der Hochschule für Rechtspflege, hat sie zu diesem Ort begleitet. Vor sechs Jahrzehnten haben sich die beiden an der damaligen Rechtspflegerschule kennen und lieben gelernt. An ihrem Jubiläum wollten sie nun dorthin zurück – und Haarer hat ihnen eine private Führung durch die Räume der Hochschule angeboten.

Bereits am ersten Tag der Ausbildung hatte Traudl die Aufmerksamkeit ihres Helmuts geweckt. „Wir saßen in der Aula und wurden in zwei Klassen aufgeteilt. Sie ist mir schon vorher aufgefallen und als sie sich dann für die zweite Klasse gemeldet hat, hab ich meinen Arm auch direkt nach oben gestreckt“, sagt er. Traudl Hopp fährt sich durch die kurzen grauen Haare und hält ihre Hand vor den Mund, um ihr Schmunzeln zu verbergen. Nach dem Kameradschaftsabend am 10. April 1959 ist es dann passiert: „Wir hatten eine eigene Band und haben im Zirkelsaal gefeiert. Irgendwann konnte ich sie dann von den anderen loseisen. Dann sind wir im Schlossgarten spazieren gegangen und bis zu der Stelle in der Nähe der Orangerie gelaufen.“ Seinen hellbraunen Pulli, aus dem ein Hemd am Kragen etwas herauslugt, richtet er sich dabei und sieht seine Frau stolz und belustigt an. Zwei Jahre später folgte dann die Hochzeit.

Die Zeit in der Rechtspflegerschule haben sie vermutlich auch aus diesem Grund in guter Erinnerung. „Wir haben uns alle sehr gut verstanden, damals gab es hier ja auch noch Wohnheime, da war der Zusammenhalt sehr groß“, erklärt Traudl Hopp. Im Jahr 2012 wurde das Gebäude saniert und die Wohnheimzimmer aus Brandschutzgründen in Hörsäle umgebaut.

Schulleiter ausgetrickst

Deshalb seien fast alle Räume nicht mehr wiederzuerkennen. „Unsere Mensa war hier vorne links um die Ecke“, erinnert sich Helmut Hopp, während er sich in der Cafeteria umsieht. Der heutige große Konferenzraum war damals der Klassenraum der beiden. „Das ist ein komisches Gefühl“, sagt Traudl Hopp und lässt sich auf einen Stuhl dort fallen. Auch die Lehrmethoden waren vor 60 Jahren natürlich etwas anders. „Ab 14 Uhr mussten wir lernen und unser Schulleiter ist dann durch die Reihen gegangen und hat das überprüft. Es gab allerdings einen kleinen Trick. Wenn seine Kontrollrunde begann, hat der erste Student gegen die Heizung geklopft, um die anderen zu warnen. Das hat immer super funktioniert“, erzählt der 82-Jährige, der jetzt in Fürth im Odenwald wohnt.

Das habe sich natürlich verändert, erklärt Haarer und zeigt auch noch weitere moderne Veränderungen: Das höhenverstellbare Pult und die multifunktionale Tafel mit Beamern sind für das Ehepaar komplett neu. „Es ist toll, dass die jungen Menschen diese Möglichkeiten heutzutage haben“, sagt Helmut Hopp.

Den beiden hat die Ausbildung Stellen als Rechtspfleger in verschiedenen Amtsgerichten verschafft, mit Blick auf den elektronischen Stundenplan hat sich dagegen kaum etwas verändert. „Diese Kurse hatten wir früher auch“, sagt Helmut Hopp und Traudl stimmt in sein fröhliches Lachen mit ein. Vieles hat sich in den Räumen der Hochschule in Schwetzingen verändert. Aber die Liebe der beiden, die damals hier begann, scheint so, als wäre sie erst gestern entfacht. Dabei sind seit der ersten Begegnung sechs Jahrzehnte vergangen.

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