Schwetzingen

„Café Vergissmeinnicht“ An Alzheimer Erkrankte bekommen Impulse für ihre Geschichten / Drei Stunden das Vergessen vergessen

Lieder wecken Erinnerungen

Archivartikel

Stühle stehen im Kreis im Demenzcafé im Hebelhaus, in der Mitte liegt ein Tuch, auf dem verschiedene Dinge ausgebreitet sind. Sie gehören zum Thema des Tages: „Schule und Schulzeit“, also Kindheit. Eine kleine Tafel, Minischultüten, Fotos von der Einschulung im Jahr 1920 oder 1930 und der Klasse, in Sütterlin geschriebene Sätze – alles Dinge, die die Gäste im „Café Vergissmeinnicht“ aus ihrer frühen Jugend kennen.

Durch das Anschauen, Anfassen und Erzählen werden Erinnerungen wach, gibt es einen Ansatzpunkt zu kommunizieren. „Bei uns ist das, was unsere Gäste mitteilen immer neu und richtig“, beschreibt Monika Theilig, Leiterin des Betreuungsangebots sowie der Nachbarschaftshilfe, die Treffen, die immer dienstags von Demenz Betroffene aus ihrer Einsamkeit holen. „Die aktive Teilhabe am Leben, das Erinnern, Freude und Geborgenheit empfinden ist elementar wichtig“, so Theilig.

Die Demenz ist eine fortschreitende Krankheit, gegen die es keine Mittel gibt, die Lebensqualität allerdings könne man nie genug positiv beeinflussen. Hier setzen diverse Angebote wie das Demenzcafé an. Die Teilnehmer am Café, das gemeinsam mit dem Kirchlichen Pflegedienst Kurpfalz angeboten wird, sind im Anfangs- bis mittleren Stadium der Erkrankung, werden von Angehörigen gebracht, liebevoll zum Sitzplatz geführt und verabschiedet. Die pflegenden Familienmitglieder wissen, ihre Schützlinge für drei Stunden gut aufgehoben. „In der Zeit ist Raum für die Pflegenden, etwas für sich zu tun, einmal zu entspannen, das ist sehr wichtig“, weiß Theilig. Ein Ziel der Aktion.

Kaffee trinken gehört dazu

Mittlerweile sind die zwölf Gäste angekommen, sitzen in der Runde. Ein Teil der sechs Mitarbeiter gesellt sich dazu, stimmt Lieder an. Es werden alte Volkslieder gesungen. Alle kennen die Texte. Kindheitserinnerungen werden wach. „Dadurch spüren die Kranken, was noch alles präsent ist“, schildert Theilig, dass häufig erstaunt festgestellt werde: „Das weiß ich alles noch.“ Dazu zählen auch Bewegungen, die mit den Liedzeilen gemacht werden, die gleich noch mehr Aktivitäten stimulieren. „Tücher und Igelbälle tun ihr Übriges“, so Theilig, die sich über ganz junge Unterstützung freut. Für ein Jahr sind zwei Schüler des benachbarten Privatgymnasiums mit in der Gruppe: „Es gibt dort ein Fach, das sich mit dem Themenbereich Verantwortung befasst, hier bei uns mitzuarbeiten ist ein Aspekt davon.“

Dann fragt Theilig nach dem Lieblingsfach in der Schule: „Singen“, ruft ein Mann, „Schreiben“, setzt eine Frau nach, die ausführt, wie sie Schönschrift lernte. Alle anderen hören zu, freuen sich über die Geschichten.

Während die Gäste noch eifrig plaudern, richten Helfer Kaffee und Kuchen, denn das Kaffeetrinken gehört zum Nachmittag. Über der gesamten Szenerie liegt eine ruhige Ausgeglichenheit, die sich auf die Gäste überträgt. Ihnen ist anzusehen, dass sie den schönen Nachmittag genießen.

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