Schwetzingen

Mozartgesellschaft Münchener Musiker und Schauspieler bringen musikalisches Märchen „Die Kakaokantate“ ins Rokokotheater

Liesgen kann das Naschen nicht lassen

Archivartikel

Pinkfarbenes Geschirr, ein Komponist, der sich beim Rasieren schneidet und ganz viel Kakao, kombiniert mit wunderschönen Sängerstimmen und ebensolcher Musik bestimmen das Bild beim musikalischen Märchen „Die Kakaokantate“.

Weil der Fokus auf der Musik und der Geschichte um das Alltagsleben von Johann Sebastian Bach liegt, braucht es wenige Requisiten. Ein Schreibtisch genügt, eine hinter dem Vorhang zu erahnende Orgel und die sieben Musiker des Kammerorchesters Concierto München sind auf der Bühne. Dazu gesellt sich das Ensemble „Puzzletheater München“ mit drei Akteuren: Johann Sebastian Bach (Tenor Michael Braun), Liesgen (Sopran Yvonne Prentki), Herr Schlendrian (Bariton Philipp Gaiser) und eine Erzählerin (Sophie Wendt).

Die Erzählerin liefert die Hintergrundinformationen, die man braucht, um die Szene zu verstehen, Bach liegt nämlich bereits schlafend auf seinem Schreibtisch, als sich das Rokokotheater langsam füllt. „Das passiert immer wieder“, schildert die Erzählerin, denn tagsüber arbeitet Bach als Organist – er muss ja auch seine Familie ernähren. Da bleibt nur die Nacht, seiner kreativen musischen Ader freien Lauf zu lassen. Zwei Kerzen auf dem Schreibpult zündet er an und vertieft sich, den Federkiel zum Schreiben in der Hand, in seine Melodien, bis er wieder einschläft.

Geld für die Familienkasse

Die Werke probiert er immer wieder zu verkaufen, damit Geld in die Familienkasse kommt. Es gilt eine Menge hungriger Mäuler zu stopfen: „Mehr als eine Sitzreihe voller Kinder hatte Bach – insgesamt 20 aus zwei Ehen“, erklärt die Erzählerin. Die Kinder im Publikum staunen. Dann erwacht der Komponist langsam. Pantomimisch geht er der Morgentoilette nach, eher sporadisch, aber immerhin rasiert er sich. Prompt schneidet er sich dabei und alle Kinder kichern.

Irgendetwas scheint Bach noch zu fehlen, nachdem er fertig ist. Ah – die Perücke, erst mit der auf dem Kopf ist er wirklich „angezogen“. Bach klemmt sich die Noten unter den Arm und stiefelt los zur Kirche, die vielen, endlos scheinenden Treppen hoch zur Orgel. Im Spiel geht er ganz auf. Die Erzählerin hat vorher erklärt, dass manchmal kleine Kinder den Blasebalg drücken mussten, damit das imposante Instrument klingen konnte. Heute ist das automatisiert.

Auf der Bühne wird optisch der Kontrabass zum Balg, der Bassist zum Motor. Kaum ist Bach zurück daheim und will am Schreibtisch etwas arbeiten, da umlagern ihn die Kinder. Johann Sebastian Bach selbst ist leidenschaftlicher Kaffeetrinker, verbringt gerne Zeit im Zimmermann’schen Kaffeehaus, wo er mit seinem Chor „Collegium Musicum“ Konzerte gibt. Den Chor stellen flott die Musiker dar, die ihre Stimmen erklingen lassen zu „Schweigt stille, plaudert nicht“, der Huldigung an den Wirt des Hauses.

Diese Kaffeekantate wird in der Kinder- und Familienversion des spanischen Chefdirigenten Carlos Dominguez-Nieto zur „Kakaokantate“. Im szenischen Spiel tanzt immer wieder Liesgen herbei, die Tochter von Herrn Schlendrian. Ohne Süßes geht es bei ihr nicht. Darüber ärgert sich ihr Vater, der sich um die Kosten sorgt, dass sie keinen Mann finden wird. Er verbietet ihr den Genuss, auf den sie aber nicht verzichten will. Wie zu der Zeit üblich und erstrebenswert, verspricht ihr der Vater einen feschen Bräutigam, wenn sie aufhört zu naschen und dem Süßgetränk entsagt.

Ein Kleid wie eine Tasse

Beeindruckend ist das Kostüm von Liesgen, das, kaum geht sie in die Knie, aussieht, als sei es selbst eine Tasse heißen Kakaos. Die Pluderärmel und ein Hütchen ganz in Weiß vermitteln den Eindruck von Sahnehäubchen. Liesgen singt: „Heute noch, lieber Vater, tut es doch“. Damit lenkt sie ein und wählt sich einige Herren aus dem Publikum für ein kleines Tänzchen. Klammheimlich stellt sie aber fest, dass sie nur einen Mann akzeptieren wird, der ihren Genuss gestattet. Mit dem gemeinsamen Lied „Die Katze lässt das Mausen nicht“ endet die vergnügliche Kantate im Applaus der vielen Zuhörer.

Auf Einladung der Mozartgesellschaft gastierte das Münchner Theater und Kammerorchester im Rokokotheater. Mit im Publikum waren einige Kinder aus dem internationalen Frauencafé mit ihren Begleitungen, die von der Mozartgesellschaft eingeladen waren. Als kleine Anerkennung der Leistung überreichten Kinder aus dem Publikum den Akteuren auf der Bühne Rosen, womit diese zu Stars zum Anfassen wurden.

„Es hat viel Freude gemacht, die Musik zu hören“, sagt der neunjährige Alexander, der selbst Klavier spielt; Rebecca ist zwölf Jahre, spielt Geige und meint: „Die Kostüme waren so schön und die Musik auch.“

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