Schwetzingen

Pankratiuskirche „Quatro Forte“ gestaltet gemeinsam mit „Sine Nomine“ ein Konzert zum 100. Jahrestag der „Urkatastrophe“ des vergangenen Jahrhunderts

Mahnmal für die Schrecken des Krieges

Im November sind es einhundert Jahre, seit der Erste Weltkrieg zu Ende ging. Fast zehn Millionen Soldaten mussten ihr Leben lassen und ganze Landstriche wurden verwüstet. Ein Konzert von „Quatro Forte“ und dem Chor „Sine Nomine“ aus Nancy unter der Gesamtleitung des Dirigenten Alexander Gütinger hatte ebenjene „Urkatastrophe“ zum Thema. „Die Schrecken des Ersten Weltkriegs sind die Schrecken aller Kriege“, hieß es vorab in den einführenden Worten zum Konzert, „zahlreiche Bücher und Publikationen wurden seither veröffentlicht, die jene Schlachten, Verteilung von Orden und Errichtung von Denkmälern schildern.“

Bereits zehn Jahre nach dem Krieg erschien der Roman „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque, der die Abfolge der Grausamkeiten emotional aufwühlend beschreibt. Das Buch ist zu einem Klassiker der Weltliteratur geworden, das die Augen öffnet für Drama und Tod. Die Soldaten werden im Kampf reihenweise weggerissen, zugeschüttet von der im Granatenhagel aufgerissenen Erde. Nicht nur wegen solch realistischer Darstellung des Grauens gilt der Roman bis heute als beeindruckendes Antikriegswerk, sondern auch, weil es verdeutlicht, dass Literatur angesichts der Übermacht des Unheils Stellung beziehen muss. In Auszügen begleitete es das A-cappella-Konzert.

In Zeiten von Trennung und neu aufkommendem Rassismus tut dies auch der Schwetzinger Kammerchor „Quatro Forte“ auf beeindruckende Weise mit Musik. Es ist eine begrüßenswerte Wahl, dass im diesjährigen Gedenkreigen Remarques Buch während des Konzerts zu neuen Ehren kam.

Klar und ausgeglichen

Unter dem Motto „Calme des nuits“ (Nächtliche Stille) machten die beiden Chöre auch die deutsch-französische Freundschaft spürbar und zeigten, dass Musik ein Ort der Verbrüderung und des Friedens ist, eine Brücke zwischen Menschen und Völkern. Die Botschaft wurde ob der meisterhaften Interpretation des Repertoires sehr eindrucksvoll vermittelt. Das Programm vereinte eine Chorliteratur französischer, deutscher und italienischer Komponisten, die von den Sängern in der jeweiligen Sprache dargeboten wurden. Die klare Artikulation, das ausgeglichene Klangbild und die feinen Abstimmungen in der Gestaltung, die aus einer fundierten Kenntnis der Musik verschiedener Länder und Epochen schöpft, begeisterten das Publikum. Den Anfang machte der Chorleiter mit „Notre Père“ und „Ubi Caritas“ vom französischen Komponisten Maurice Duruflé (1902 – 1986), dessen versöhnlich und tröstlich klingende Melodien eine elektrisierende Wirkung auf die Zuhörer ausübten. In „O salutaris“ von Jehan Alain (1911 – 1940) spürte er dem ihm zugrundeliegenden emotionalen Gehalt nach. Das fast überirdisch schön gesungene Abendlied „Bleib bei uns“ von Josef Rheinberger (1839 – 1901) beendete den ersten Zyklus, wo sich die Stimmen der beiden Chöre zu einem unerhörten Raffinement verbanden und als flirrende Klangwolke den Kirchenraum ausfüllten.

Anspruchsvoller Zyklus

Den zweiten Liederblock mit Kompositionen wie „Ubi caritas et amor“ von Olga Gjeilo (geboren 1978), „La, la, la je ne l’ose dire“ von Pierre Certon (1510 – 1572), „Calme des nuits“ von Camille Saint-Saëns (1835 – 1921) oder „Nicolette“ von Maurice Ravel (1875 – 1937) gestaltete der Gastchor aus Nancy mit ebenfalls wunderbar verinnerlicht strahlendem Klang und sorgte so für große Begeisterung in den Reihen der Zuhörer. Anschließend zeigte sich der Kammerchor „Quatro Forte“ dem anspruchsvollen Liederzyklus „Im Grünen“, „Frühzeitiger Frühling“ oder dem „Jagdlied“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) sowie „Der Schmid“ vorn Robert Schumann (1810 – 1856) ausgezeichnet gewachsen.

Hervorragend war der Wandel von der düsteren Stimmung des ersten Abschnitts zur Lebensfreude und Zuversicht in den nachfolgenden. Wunderbar haben die beiden Chöre im „Rosmarin“, „Der Falke“ und „Waldesnacht“ den schlichten und volkstümlichen Tonfall von Johannes Brahms (1833 – 1897) aufgenommen, um zum Schluss Lebenslust und sprühende Lebensfreude mit „Tanzen und springen“ von Hans Leo Hassler (1564 – 1612), „Amor Vittorioso“ von Giovanni Giacomo Gastoldi (1554 – 1609) sowie „Ola o che bon echo“ von Orlando di Lasso (1532 – 1594) zu besingen.

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