Schwetzingen

Geschichte und Geschichten Rokokotheater wurde am 15. Juni 1753 eröffnet

Maschinerie mit Flugwerken

Archivartikel

Die kurfürstliche Sommerresidenz in Schwetzingen war ein kultureller „Hotspot“ in Südwestdeutschland. Dazu trug auch das prachtvolle Rokokotheater bei, in dem im 18. Jahrhundert spektakuläre Aufführungen stattfanden. Am 15. Juni 1753 wurde das Schlosstheater, das älteste erhaltene Rangtheater weltweit, eröffnet, erinnern die Staatlichen Schlösser und Gärten in einer Pressemitteilung an dieses Ereignis.

Zehn Jahre nach seiner Thronbesteigung erfüllte sich Kurfürst Carl Theodor dabei einen lang gehegten Wunsch, indem er zur Eröffnung die Oper „Il figlio delle selve“ in der Vertonung von Ignaz Holzbauer aufführen ließ. Der Architekt Nicolas de Pigage, dem die Schwetzinger Anlage auch die Gartenarchitekturen verdankt, hatte wieder ein Meisterstück geschaffen: Erbaut in nur zehn Wochen und 1762 nochmals erweitert, fanden rund 400 Personen in dem kleinen, an den nördlichen Zirkelbau angebauten Theater Platz – viel weniger als im Hoftheater in Mannheim, aber genug, um auch fürstlichen Gästen angemessene Unterhaltung bieten zu können. Das Hoftheater ist das europaweit älteste erhaltene Rangtheater und einer der ersten und gleichzeitig der letzte erhaltene höfische Theaterbau, der der fortschrittlichen französischen Architekturtheorie entspricht.

Hufeisenförmiger Innenraum

Das Schwetzinger Theater wurde als höfisches Schlosstheater erbaut. Es benötigte deswegen keine Außenfassade als eigenständiges Gebäude und wurde hinter dem nördlichen Zirkelbau errichtet, der gleichzeitig als Foyer dient. Die nicht mehr erhaltene Bühnenmaschinerie des 18. Jahrhunderts verfügte über Flugwerke, Versenkungen, Donner-, Regen- und Windmaschinen und konnte dadurch sehr realistische Effekte erzielen. Durch mehrere hintereinander gestaffelte Seitenkulissen konnten sekundenschnell verschiedene Szenenverwandlungen auf offener Bühne stattfinden. Der Innenraum mit der hufeisenförmigen Holzkonstruktion hat heute die frühklassizistische Fassung aus der Zeit um 1770. Das Schlosstheater von Kurfürst Carl Theodor wurde nach den neuesten Erkenntnissen der Architekturtheorie des 18. Jahrhunderts als modernes Rangtheater erbaut und ist das älteste seiner Art in Europa. Nur noch im Parterre gibt es Logen, die ehemals alle vergittert waren. Sie gestatteten es Gästen, das Theater inkognito zu besuchen.

Nachdem der Fürst Carl Theodor seine Residenz nach München verlegt hatte, fanden nur noch gelegentliche Aufführungen in Schwetzingen statt, wenn der jeweilige Kurfürst dort zu Besuch war. Auch in der badischen Zeit wurde das Theater nur selten benutzt. Zum Teil verfiel es und konnte nicht mehr bespielt werden. 1936/37 und in den 1950er Jahren wurde das Schwetzinger Theater renoviert. Nur wenige originale Ausstattungsteile der Maschinerie blieben bis heute erhalten. zg

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional