Schwetzingen

Mehr Geduld

Archivartikel

Gert Häusler appelliert dazu, nicht ständig der Technik erlegen zu sein

So lange ist es noch nicht her, dass man sich in trauter Runde „ewig“ über bestimmte Themen und Behauptungen den Kopf zerbrechen konnte. Da ging es munter und manchmal auch aufgeregt hin und her. Im äußersten Notfall wurde ein fachmännischer Bekannter als „Telefonjoker“ angerufen. Bevor heute überhaupt eine ausführlichere Diskussion aufkommen könnte, zückt einer schon das Smartphone und die Frage ist sofort geklärt – nächstes Thema.

In Einstellungsgesprächen gehört die Frage nach Stärken und Schwächen zum Standardrepertoire. Als eigene Schwäche wird von einem Großteil der Bewerber „Ungeduld“ genannt, was immer das heißen mag, denn auch erkennbar trägere Menschen schätzen sich so ein.

Durch die Sprachassistenten wird die Erwartung noch verstärkt, dass jede Information sofort zur Verfügung stehen muss und Erledigungen unmittelbar und klaglos erfolgen (von „Lernprozessen“ der Maschinen einmal abgesehen). Im richtigen Leben trifft das Ideal jedoch auf die raue Wirklichkeit: Die minutenschnell organisierte Zugfahrt gerät schon am Bahnhof durch verspätete Züge aus dem Takt. Der in den elektronischen Kalendern synchron gespeicherte Termin kann nicht rechtzeitig beginnen, weil der Gesprächspartner trotzdem die Uhrzeit „verschwitzt“ hat.

Im Privaten würde es aber gelegentlich guttun, nicht gleich „auszuflippen“, wenn an der Kasse im Einkaufsmarkt manche Vorderleute umständlich ihr Kleingeld zusammensuchen oder noch eine Frage haben. Mit etwas Geduld, der anderen Seite der Medaille, entspannt man nicht nur sich selbst, sondern auch die Umgebung.

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