Schwetzingen

Interkulturelle Woche Zum Auftakt berichten Mazume und Amir im Café International über ihre Heimat / Fotos zeigen das Leben vor 50 Jahren im Gegensatz zu heute

„Mit Afghanistan ging es nur rückwärts“

Archivartikel

Mit einem Informationsabend über Afghanistan wurde im Café International (Asylcafé) in den Räumen der evangelischen Landeskirche am Schlosspatz 9 die Interkulturelle Woche eröffnet. Mazume (18) und Amir (19), die mit ihrem jüngeren Bruder und ihren Eltern in Brühl leben, hatten einen Vortrag mit Fakten, Gedanken und Eindrücken aus ihrem Heimatland vorbereitet. Seit vier Jahren sind sie in Deutschland und besuchen die Schule, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Fläche Afghanistans ist doppelt so groß wie Deutschland mit nur 35 Millionen Einwohnern aus verschiedenen ethnischen Gruppen, verschiedenen Anhängern des Islam (Sunniten und Schiiten) und zwei Landessprachen, die sich untereinander nicht verstehen (Paschtu und Persisch). Mazume und Amir zeigten die wilde Gebirgslandschaft mit den kargen Höhen und den grünen Tälern, die zahlreichen Kulturdenkmäler, die Städte und vieles mehr.

Damals auch westlich orientiert

Mit Fotos wurde das Afghanistan vor den Unruhen vor 50 Jahren dem Afghanistan heute gegenübergestellt. Die Gesellschaft war damals deutlich offener, teils westlich orientiert und gekleidet, teils traditionell. Straßen, Autos, Schulen – das alles unterschied sich gar nicht so sehr von unseren Standards. Die Aufnahmen von heute zeigen Zerstörung, Verschleierung, Gleichförmigkeit, Kämpfer und Kriegsfahrzeuge – und ganz wenig Lachen bei den Menschen. „Andere Länder haben sich nach vorne entwickelt, mit Afghanistan ging es nur rückwärts“, ist die traurige Bilanz, die Amir zieht.

Besonders das Leben der Frauen wurde und wird schwieriger: keine Schule, kein Studium, keine Arbeit – alles selbstverständlich in der „Vor-Taliban-Zeit“. Warum dennoch Abschiebungen von Flüchtlingen aus Deutschland in dieses Land stattfinden, darauf haben auch Amir und Mazume keine Antwort. Gerne werden sie in ihr Heimatland zurückkehren, wenn Sicherheit und Freiheit gewährleistet sind. Das Café International hat als Treffpunkt für alle jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr geöffnet. zg

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