Schwetzingen

Sportfliegerclub Schüler Jacob Platten steigt als Jungpilot in die Lüfte auf / Nach 31 Starts zum ersten Alleinflug aufgebrochen / Gratulation erfolgt mit Ritualen

Mit dem Klaps ist er für Thermikflüge gerüstet

Der Artikel über die Jugendarbeit im Schwetzinger Sportfliegerclub (SFC, wir berichteten) stieß auf große Resonanz und Interesse nach genaueren Informationen über die Ausbildung zum Segelflieger.

Dies kann am Beispiel von Jacob Platten geschehen. Der 15-jährige Schüler besucht das Heidelberger Raphael-Gymnasium. Seine ersten Starts im Schulsegelflugzeug „Twin Astir“ absolvierte er am 1. Mai. Hierbei betreuten ihn die ehrenamtlichen Fluglehrer des Vereins, die an jedem Wochenende am Flugplatz Herrenteich am Rheindamm bei Ketsch Dienst haben.

Die Schulung zum Segelflugpiloten kann bereits mit dem 14. Geburtstag begonnen werden. Neben der praktischen Ausbildung muss auch eine theoretische Ausbildung erfolgen, die in Zusammenarbeit mehrerer Vereine überwiegend im Winter abgewickelt wird. Außerdem muss auch ein amtliches Funksprechzeugnis erworben werden. Beides ist mit einigem Engagement für jedermann zu schaffen.

Jacob Platten erwies sich nach Einschätzung seiner Fluglehrer als talentierter Segelflieger, so dass er eigentlich bereits im Juni hätte allein fliegen dürfen. Vor dem ersten Alleinflug steht allerdings die Fliegertauglichkeitsuntersuchung, die in Verbindung mit einer Augenarztuntersuchung zu absolvieren ist. Neben der Sehfähigkeit werden Herz, Lunge und Koordinationsvermögen von vom Luftfahrtbundesamt lizenzierten Fliegerärzten überprüft, die dann ein amtliches fliegerärztliches Tauglichkeitszeugnis ausstellen können. Da die Schwetzinger Flieger in ihren Reihen zwei der sonst eher raren Fliegerärzte haben, ist der Augenarzttermin häufig das Problem, so auch bei Jacob. Nach Absolvierung dieser Hürden war der erste Alleinflug fällig. Hierfür ist die unabhängige Zustimmung zweier Fluglehrer erforderlich, die dem Flugschüler die sichere Beherrschung des Flugzeuges zutrauen. Bei Jacob waren es Frank Heyne und Klaus Zwenig, die ihn nach 31 Starts mit Fluglehrer in gerade einmal acht Wochen dieses große Abenteuer erleben ließen. Er hatte drei Starts hintereinander zu absolvieren, was er bravourös mit sicher absolvierten Flugzeugschlepps und sanften Landungen schaffte.

Der erste Schritt ist geschafft

Anschließend läuft seit Jahrzehnten ein etwas archaisches Ritual ab: Die Fliegerkameraden versammeln sich nach der letzten erfolgreichen Landung am Flugzeug und überreichen einen dornigen Strauß aus den Hecken am Rande des Flugplatzes. Im Anschluss daran wird dem erfolgreichen Alleinflieger von jedem Gratulanten ein Klaps auf das Hinterteil verabreicht, was die Sensibilität für spätere erfolgreiche Thermikflüge erhöhen soll. Während in früheren Zeiten nach Erzählungen älterer Flieger hier recht rustikal vorgegangen wurde, hat sich dies heute in einen nicht mehr schmerzhaften und eher lustigen Event verwandelt.

Mit den ersten Alleinflügen ist allerdings nur der erste Schritt zum Pilotenschein geschafft. Weiterhin muss fleißig geübt werden, um sichere Flüge bei allen Wetterbedingungen absolvieren zu können und auch Streckenflüge abseits des Flugplatzes werden mit und ohne Fluglehrer absolviert. Die Preise für die Flugzeugschlepps und die Nutzung der Segelflugzeuge ist für Flugschüler vom Verein subventioniert und damit erschwinglich.

Nach der erfolgreichen Theorieausbildung folgt dann noch eine praktische Prüfung durch einen amtlich bestellten Prüfungsrat. Erst dann ist aus dem Flugschüler ein fertiger Pilot geworden, der in alleiniger Verantwortung ein Flugzeug bewegen darf. cc

Info: Mehr Fotos gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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