Schwetzingen

Mit Pfunden wuchern

Archivartikel

Der Herrgott muss ein Schwetzinger sein – und ein großer Spargelliebhaber obendrein. Denn anders lässt sich das Wetterglück nicht erklären, das die Stadt bei den beiden Leuchtturmveranstaltungen zum großen Jubiläum „350 Jahre Spargelanbau“ hatte – sowohl beim Spar-gelanstich vor zwei Wochen als auch jetzt beim Spargelsamstag. Und so wurde es ein großes Fest, bei dem einfach alles passte. Der Sonnenschein und die angenehmen Temperaturen waren das i-Tüpfelchen auf einem tollen Tag. Denn was nützt das beste Programm, wenn es wie aus Eimern schüttet?

Aber gerade dieses vom Stadtmarketing und vor allem dessen Geschäftsführerin Anne-Marie Ludwig zusammengestellte Programm verdient einen Sonderbeifall. Es war abwechslungsreich, unterhaltsam, niveauvoll und trotzdem ausgelassen. Kulinarisch wie musikalisch, optisch wie sportlich. Besonders erfreulich ist, dass der Spargel bei diesem Fest, das seinen Namen trägt, so im Mittelpunkt steht.

Natürlich war es in diesem Jahr angesichts des Jubiläums besonders ausgeprägt, aber vor einem Jahr war es ähnlich. In der langen Geschichte des erstmals 1976 veranstalteten Spargelsamstags war dies allerdings nicht immer so. Es gab sogar Jahre, da spielte das königliche Gemüse an diesem Tag – außer auf den Speisekarten der Gastronomie – praktisch keine Rolle. Nicht einmal ein Verkaufsstand fand sich auf der Festmeile. Und jetzt? Überall gab es Spargel in irgendeiner Form zu kredenzen, selbst die teilnehmenden Vereine hatten sich kulinarisch etwas einfallen lassen. Und auch sonst: Spargelscheesenrennen, Spargelskulptur, Spargelolympiade, Spargelschälwettbewerb, Spargelweitwurf und, und, und . . .

Das passt bestens in die seit Jahren mit viel Pfiff und Cleverness gepflegte Marketing-Strategie der Stadt, mit dem „Pfund Spargel“ zu wuchern, also dieses Alleinstellungsmerkmal als ältestes Anbaugebiet Deutschlands auch überregional zu vermarkten. In der neuen Partnerstadt Schrobenhausen – Bayerns Spargelmetropole schlechthin – schaut man da etwas neidisch in die Kurpfalz. „Die Schwetzinger vermitteln alle ihren Besuchern den Eindruck, den Spargel zu feiern, ihn professionell und unaufdringlich zu vermarkten und sie pflegen einen durchaus kreativen Umgang damit“, schrieb die Schrobenhausener Zeitung kürzlich und empfahl, dass sich die Oberbayern eine gehörige Scheibe von den Schwetzingern abschneiden könnten. Auch dafür ist ja eine Partnerschaft gut. Im Gegenzug können die Schwetzinger lernen, wie man ein Spargelmuseum aufbaut. Denn das gibt es in Schrobenhausen schon seit 33 Jahren – und würde Schwetzingen als Krönung für die Huldigung an das königliche Gemüse gut zu Gesicht stehen.

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