Schwetzingen

Stadtbibliothek Charlotte Habersack möchte mit ihrer Geschichte vom „schaurigen Schusch“ Vorurteile bei Zweitklässlern abbauen

Mit Toleranz kommt man weiter

Archivartikel

Er ist so groß wie ein Cola-Automat, hat zotteliges Fell, stinkt ganz fürchterlich nach nassem Hund und isst am liebsten Hasenbraten: der „schaurige Schusch“. Das glauben zumindest die tierischen Bewohner auf dem Bogglspitz im Simmergebirge, auf dem die Geschichte von Charlotte Habersack spielt, die sie den Zweitklässlern der Schwetzinger Grundschulen in der Stadtbibliothek vorlas.

Mit einem Beamer, der die Illustrationen des Buches zeigte, und diversen Requisiten, wie einem grünen Hut und einer Lederhose, erweckte Habersack die Figuren zum Leben. Lange wohnen das Huhn mit Hut, der Hirsch mit den Lederhosen, die garstige Gams, das Murmeltier und der Partyhase schon auf ihrem Berg. Als sie hören, dass sie einen neuen Mitbewohner bekommen, versuchen sie, dem unheimlichen Unbekannten aus dem Weg zu gehen. Schließlich kommt aber alles anders als erwartet und die Tiere sehen ein, dass man mit Offenheit und Toleranz viel weiterkommt als mit Vorurteilen. Die Tiere freunden sich sogar mit dem Schusch an, der ganz anders ist, als sich die Tiere in vorgestellt haben.

„Der Schusch hat sogar Ähnlichkeiten mit den anderen Tieren“, stellte ein Junge aus dem Publikum fest. Auf die Frage von Habersack, was für Ähnlichkeiten das genau seien, meinten die Kinder, dass der Schusch Füße wie das Huhn, Hörner wie die Gams, einen gestreiften Schwanz wie das Murmeltier und die gleiche Fliege wie der Partyhase hat. „Oft hat man Angst vor Sachen, die man nicht kennt“, erklärte Habersack den Schülern. „Aber wenn man sie dann erst mal kennenlernt, merkt man, dass sie überhaupt nicht schlimm sind.“

Gesundes Misstrauen

Die Autorin hatte zur Freude der Kinder noch eine zweite Geschichte mitgebracht. Ein Bär, der über den Sommer mit dem Verkauf seines Honigs reich geworden war, zieht ebenfalls auf den Dogglspitz. Er versteckt seinen Reichtum unter seiner Matratze und misstraut allen, die in die Nähe seines Hauses kommen. So baut er eine Tür und eine Mauer, vergittert sein Fenster und schützt seine Höhle mit Stacheldraht, als das Huhn mit einem Sack, der Hirsch mit einem Baumstamm oder der Hase mit einer Box, auf der das Wort „explosiv“ steht, vorbeilaufen. Schließlich kommt der Schusch zu ihm und bringt ihn zu seinen Freunden an den Fluss. Dort sieht der Bär, dass er den anderen Tieren zu unrecht misstraut hat und sie mit den mysteriösen Gegenständen nur ein Floß gebaut und keine Einbrüche geplant haben. Und die Box mit der Aufschrift „explosiv“? „Darin war ein Feuerwerk“, erzählte Habersack und holte prompt eine Konfettikanone hervor und ließ mit einem lauten Knall goldene Schnipsel hinabregnen.

„Ich habe mich total erschreckt, als die Konfettikanone losging“, so die siebenjährige Fiona, die am coolsten den Partyhasen fand. Klassenkameradin Amanda gefiel die Lesung, „sie war sehr unterhaltsam“. „Ich fand den schaurigen Schusch super“, sagte sie. „Die Lesung war wirklich lustig“, so der siebenjährige Alexander, der auch den Partyhasen und den Bären toll fand. caz

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