Schwetzingen

Schlosskapelle Heinz-Georg Saalmüller entführt noch vor einer Woche in die Welt des Orgelbaus / Besondere Stücke erklingen

„Mozart muss in Schwetzingen sein“

Archivartikel

Vor einer Woche durfte in der Schlosskapelle noch ein Klangerlebnis stattfinden, dem einige Besucher beiwohnten. Die Ereignisse der vergangenen Woche haben sich dann überschlagen und überholt, so dass diese besondere Führung von Schlossorganist Heinz-Georg Saalmüller erst in dieser Ausgabe reflektiert werden kann.

Saalmüller gab während der Sonderführung, von denen nur vier im Jahr stattfinden, seltene Einblicke in den Orgelbau vor 200 Jahren und ließ zudem die Andreas-Ubhauser-Orgel erklingen. Dabei beeindruckte nicht nur der immer noch hervorragende Klang, sondern auch die Auswahl von besonderen Stücken. Genießerisch schloss der eine oder andere die Augen und ließ das Orgelspiel so noch intensiver auf sich wirken, nachdem der Schlossorganist zuvor interessante historische Fakten zum Bau der Andreas-Ubhauser-Orgel aus dem Jahr 1806 mit den Zuschauern geteilt hatte. Denn bei dieser handelt es sich immerhin um die einzige Orgel Badens aus der Übergangszeit vom Barock zur Romantik.

Vor dem Orgelmusik-Genuss gab Saalmüller Erläuterungen zu den sechs ausgewählten Stücken, wobei er ein Händchen für eine spannungsgeladene Auswahl bewies, voller Gegensätze und Raritäten. So wie die flotte Ouvertüre in C-Dur des britischen Komponisten Charles Avison (1709 – 1770), bei dem die italienischen Einflüsse zu hören waren, da er sich im Land, in dem die Zitronen blühen, länger aufgehalten und vermutlich Unterricht erhalten hatte. Oder wie sein weniger bekannter, vermutlicher Schüler John Garth (1722 – 1810) mit Voluntary G-Dur op.3/Nr. 5. „Mozart muss sein in Schwetzingen“, scherzte Saalmüller und sorgte beim Publikum für Heiterkeit, als er das ausgewählte Stück des Wunderknaben bekanntgab und warum Aufführungen mit den klingenden Gläsern aus der Mode gekommen sind: „Das Adagio für Glasharmonika in C-Dur, KV 356, ist eine absolute Rarität. Von solchen Stücken ist kaum noch eines erhalten. Mozart kannte eine Glasharmonika-Spielerin persönlich. Doch dieses Instrument geriet schnell aus der Mode, als Ärzte davon abrieten, da die ‚hohen Töne Schwachsinn erzeugen‘ würden.“ Auch ein Stück von Nigel Ogden, der March „New Era“, gehörte zum musikalischen Teil, bei dem Saalmüller dem wohl berühmtesten lebenden Vertreter der in der angelsächsischen Welt immer noch beliebten „Theaterorgel“ Anerkennung gezollt wurde. Die Musikrichtung hatte sich aus der Tradition der live gespielten Filmmusik zu Stummfilmzeiten entwickelt und steht sozusagen für die „heitere Seite“ der Orgel.

Aus dem pfälzischen Neuhofen angereist waren Karl-Heinz Kampmann und Ehefrau Barbara: „Die Musik war ganz wunderbar. Man sieht, ein Besuch in Schwetzingen lohnt sich immer.“ Annette Kegel-Englert aus Mannheim war vom Instrument des Konstrukteurs Andreas Ubhauser begeistert: „Die Orgel hat einen ganz tollen Klang.“

Heinz-Georg Saalmüller sammelt mit Leidenschaft Orgel-Notenmaterial und lässt sich dies auch einiges kosten: „Da kann auch schon mal eine kleinere vierstellige Summe im Monat zusammenkommen. Aber das ist es mir wert. Leider gibt es in Deutschland da nicht mehr viel, sodass ich es aus dem Ausland beziehen muss.“ Er legt Wert darauf, den Menschen etwas besonderes bieten zu wollen und hofft darauf, dass die schöne musikalische Tradition der Veranstaltungen noch lange bleibt.

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