Schwetzingen

Umfrage Was machen die Menschen mit ihrer neugewonnenen Zeit? / Gartenarbeit und Hausputz stehen auf vielen Zetteln / Für einige ändert sich gar nichts

Mülberts machen jetzt täglich Frühsport

Aufgrund der Absagen aller öffentlicher Termine, Trainings- und Übungsstunden haben viele Menschen plötzlich viel Zeit. Wir haben in einer Umfrage einige Schwetzinger gefragt, ob sie sich schon Gedanken gemacht haben, wie sie diese Zeit nutzen. Da gibt es ja viele Möglichkeiten – von Gartenarbeit über Frühjahrsputz bis Bücherlesen:

Dieter Endres: Ich werde die Zeit nutzen, um meine Rennräder auf Vordermann zu bringen. Auch werde ich eventuell den Frühjahrsputz der Wohnung vorziehen, bin mir aber nicht sicher, ist ja Arbeit. Eigentlich war Abnehmen angesagt, aber jetzt werden in der Küche neue Rezepte ausprobiert, dazwischen ein gutes Buch gelesen. Stammtisch fällt aus. Eingekauft wird normal und nicht gehortet. Ehrenamtlich läuft radsportmäßig nicht viel, es hagelt wie überall Absagen, die aber von Betroffenen verständnisvoll akzeptiert werden.

Birgit Schillinger: Als Lehrerin fühle ich mich verantwortlich, dass meine Schüler auch zu Hause sinnvoll lernen können. Ich werde die Interaktion im Klassenzimmer vermissen. Momentan suchen wir Lehrer im Internet gute Übungsseiten, Lernplattformen und Erklärvideos. Wir stellen Arbeitsblätter zusammen. Eine Kollegin möchte eigene Erklärvideos drehen. Ich denke, mit dem nun zu erstellenden Material können wir die Zeit bis Ostern gut überbrücken. Wir werden mit den Schülern über Moodle, Mail oder Homepage in Kontakt sein. Das alles ist aber zunächst mehr Arbeit als eine normale Unterrichtsvorbereitung. Also die Gefahr, dass ich vor Langeweile endlich dazu komme, meinen Schreibtisch aufzuräumen, besteht vorerst nicht. Anmerkung: Die Maßnahmen sind sinnvoll und mathematisch nachvollziehbar, aber ich würde mir wünschen, dass die Menschen ebenso konsequent den Klimawandel angingen. Die steigende Erderwärmung zu stoppen würde – in der Zukunft – noch mehr Menschenleben retten.

Klaus-Peter Deimann: Ruhig bleiben, Hygieneregeln einhalten und etwas in sich gehen – und das mit Verstand. Ein großes Dankeschön geht an alle Pflegekräfte, die für uns da sind, und was sie bis jetzt geleistet haben. Ich ziehe den Hut vor ihnen, dies sind für mich die wahren Helden, in dieser für mich schwierigen Lebenssituation.

Albert Konieczny: Ich als Rentner habe da überhaupt kein Problem, weil ich das Privileg genieße, ständig Zeit zu haben. Was ich mit dieser Zeit anfange? Nun, mit Ehefrau, zwei erwachsenen Kindern und vier Enkeln ist bei uns immer was los, herrlich. Die Vereinsarbeiten laufen wie gewohnt weiter. Jeden Tag an die frische Luft, zumal allmählich das Fahrrad wieder zum Vorschein kommt. Aber sich jetzt in überbordender Hektik Arbeit suchen zu wollen, ist die schlechteste Lösung, denn zu viel Arbeit ist bekanntlich nicht gesund. Fazit: Es läuft alles so weiter wie bisher und das ist auch gut so. Einziger Wermutstropfen: Mir fehlt der Sport. Nicht den, den ich selbst betreibe, sondern den, bei dem ich mitfiebere. Entweder im Stadion oder in den Sporthallen und natürlich im Fernsehen. Und den Rest, den mit dem Virus, gilt es auszusitzen. Ohne Angst, denn die ist nie ein guter Begleiter und ohne schwachsinnige Hamsterkäufe. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Zeitgenossen irgendwann ihre gehorteten Eintöpfe essen müssen. Prost Mahlzeit!

Jochen Gölitz: Wir werden den liegengebliebenen Papierkram aufarbeiten und Bilder aussortieren und ordnen. Unglaublich, wie viele Bilder man mit dem Handy macht.

Gerald Sams: In meinem Beruf mit täglich mehreren Kundenkontakten habe ich versucht, die Balance zu halten zwischen Vorsicht und Gelassenheit. Seit über einer Woche aber bin ich im Homeoffice. Ich gebe zu, gehamstert zu haben: nämlich viele Bücher für den nächsten Urlaub. Die ziehe ich jetzt vor und mache mir schöne Lesestunden.

Katharina Becker: Bei uns ist nun die ganze Familie zu Hause. Ich habe mir vorgenommen, das Haus aufzuräumen und auszumisten, der berühmte Frühjahrsputz, soweit das mit zwei Kindern möglich ist. Außerdem den Garten auf Vordermann zu bringen, um ihn mit den Kindern nun gut nutzen zu können. Wenn es die Situation zulässt, wollen wir mit den Nachbarskindern im Garten spielen. Ansonsten lassen wir alles auf uns zukommen und schauen mal, was die nächste Zeit bringen wird. Wir wollen eigentlich im Mai nach Frankreich in Urlaub und hoffen, dass sich die Lage bis dahin entspannt.

Angela Bräunig: Gartenarbeit bietet mir wunderbare Momente der Entschleunigung, die Möglichkeit zum Nachdenken und zur inneren Einkehr. Der Erfolg meiner Arbeit ist sichtbar und gleichzeitig leiste ich – bei diesem sonnigen Wetter – etwas zur Aufstockung meines Vitamin-D-Haushaltes – sehr wichtig fürs Immunsystem. Meine Gedanken kreisen um unser Leben, das global unter dem Motto steht „immer schneller, immer besser, immer größer“ und das sich so plötzlich geändert hat, ohne dass wir Menschen wirklich etwas dagegen tun können. In einer solchen Zeit, die wir ja so noch nie erlebt haben, ist es gut, sich auf sein gemütliches Zuhause zurückziehen zu können und die Muße zu haben, neben der Schwetzinger Zeitung mal „Die Zeit“ ganz lesen zu können. Und natürlich sind meine Gedanken auch bei all den Betrieben, Institutionen und Veranstaltern, die sorgenvoll die geforderten Absagen leisten und betriebliche Restriktionen hinnehmen müssen. Plötzlich sind wir alle nicht mehr als Leistungsgesellschaft definiert, sondern auf eine Gemeinschaft reduziert, in der alle einen Beitrag zum gemeinsamen Gesunden leisten können. Das ist ein neues, gutes Gefühl – verbunden mit großer Dankbarkeit für diejenigen, die unsäglich viel für unser Wohlergehen tun.

Carsten Petzold: Da ich Polizeibeamter bin, ist nicht abzusehen, dass ich mehr Freizeit bekommen werde, ich stelle mich eher auf das Gegenteil ein. Die Arbeit im Stadtrat und für die Freien Wähler geht eingeschränkt weiter. Da unsere jüngste noch im Haushalt lebende Tochter und meine Ehefrau im Gesundheitswesen tätig sind, wird es auch bei ihnen nicht zu großen Veränderungen führen. Die gewonnene Zeit durch ein geändertes Freizeitverhalten wird produktiv genutzt. Unser Garten wartet schon seit längerem darauf, auf Vordermann gebracht zu werden.

Michael Mülbert: Damit uns die Kinder nicht die Bude auseinandernehmen, gibt es bei uns jetzt jeden Morgen um 9 Uhr eine Runde Frühsport mit Bewegung – Joggen oder Radfahren – an der frischen Luft.

Ernst Klopfer: Bei trockenem Wetter Gartenarbeit, ansonsten Inside-Arbeiten wie aufräumen, Unterlagen sichten und vernichten, ablegen, Zeitung gründlicher lesen als sonst, Kleiderschränke durchsehen und ausmustern sowie alles andere, was wir uns immer wieder vorgenommen und aufgeschoben haben. Bilder: Lin/Privat

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