Schwetzingen

Schwetzinger Festspiele Chiaroscuro Quartett im Schloss

Musik mit einem Bio-Siegel

Archivartikel

Die drei Damen des Quartetts sind äußerst passend angezogen, kombinieren schwarze Beinkleider mit cremefarbenen Oberteilen. „Chiaroscuro“ eben, wie sich das Ensemble nach jener Hell-Dunkel-Malerei genannt hat, deren Schöpfer Caravaggio war. Diese Kontrastästhetik nach dem Motto „Wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht“ will das in London ansässige Streichquartett um Geigerin Alina Ibragimova auf ältere Musik anwenden. „Bio“-Instrumente mit fragiler Darmbesaitung – auch beim Schwetzinger Konzert wird ständig nachgestimmt – und alten Bögen sollen dabei helfen. Pionierarbeit ist das inzwischen keine mehr, doch britische Gazetten registrieren bei den Chiaroscuro-Interpretationen manchmal trotzdem einen positiven Schockeffekt.

Der bleibt im Mozartsaal des Schlosses eher aus, zumindest zu Beginn, bei ausgewählten Kontrapunkten aus „Die Kunst der Fuge“. Bach-Meditationen sind das, und die regelhaften Stimmverläufe werden, um noch einmal auf die Kunst der Malerei zurückzukommen, wie mit sämig dunklen Erdfarben fixiert. Doch dann, im ersten Beethoven-Quartett, wird alles anders, schon die Körpersprache von Alina Ibragimova lässt es erkennen: Oft steht die Primaria in geduckter Angriffshaltung da.

Etwas überzüchtet

Mit Überraschungen und kleinen Widerborstigkeiten muss hier stets gerechnet werden, der Affekthaushalt des F-Dur-Stücks mit dem Adagio in d-Moll (jener Tonart also, die so tief wie keine andere von den Letzten Dingen spricht) wird bis zum Letzten ausgereizt. In diesem frühen Beethoven scheint schon der späte angelegt zu sein. Bisweilen wirkt die Darstellung ein wenig überzüchtet.

Dafür überwältigt die enorme Nuancierungskunst der Chiaroscuro-Musiker in Franz Schuberts großem d-Moll-Streichquartett („Der Tod und das Mädchen“) umso stärker. Im Variationen-Satz natürlich ganz besonders – wo Alina Ibragimova auch winzigen Begleitfiguren scharfe Umrisse verleiht. Und das wird niemals analytisch kühl: An Darmsaiten kann man sich vielmehr wärmen.

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