Schwetzingen

Palais Hirsch Ariana Burstein und Roberto Legnani überzeugen an Cello und Gitarre / Komposition zeigt Auszug der Israeliten aus Ägypten

Musikalische Reise mit der Karawanserei

Im Palais Hirsch wechseln sich Stille, die meisterliches Cello- und Gitarrenspiel umrahmt, und begeisterter Applaus fast schon rhythmisch ab. Stille herrscht, während Ariana Burstein (Cello) und Roberto Legnani (Gitarre) in perfekter Harmonie in Klangwelten entführen, für Entschleunigung von der Hektik im Alltagsleben vor den Türen des Palais sorgen. Ruhe gibt es auch für die Augen, denn die beiden Musiker brauchen keinen Firlefanz, sie geben ihren Instrumenten, ihrer Spielkunst ganz dezent in Schwarz gekleidet den Rahmen.

Der Worte machen beide fast keine: „Wir möchten den Zauber des Augenblicks der Töne erhalten“, erklärt Roberto Legnani dazu. Das schaffen die ausgewählten Stücke, die es beiden ermöglichen, gleichsam Temperament mit Spielfreude und -kunst zu vermitteln wie auch ihr Können intensiv zu demonstrieren. Mühelos bewegen sich die Ausnahmemusiker durch verschiedene Genres, die bildhaft in die Welt der Celtic Music begleiten und im Zyklus „Bamidbar“ aus der Feder Legnanis in die Zeit des Auszugs der Israeliten aus Ägypten mitnehmen, der in der Bibel beschrieben ist, und gewähren am späteren Abend den Blick in die Welt der Liebenden aus chinesischer Sicht und lassen ein russisch-deutsches Wiegenlied erleben.

Spannung bis ins äußerste Fingerspitzenglied vom ersten bis zum letzten gefühlvoll-stark angeschlagenen oder gestrichenen Ton überträgt sich aufs Publikum, das andächtig lauscht, den Moment der völligen Ruhe bis zur Entspannung der Künstler nach dem Schlussakkord mitgeht, dann erst klatscht. Burstein und Legnani erheben sich nach jedem Lied, danken mit einer Verbeugung.

Nach dem Niedersetzen reicht ein kurzer Blick, die Augen beider schließen sich, vier Hände beginnen ihr Werk – das Erleben, das Greifbare dieser Spielkunst strömt in den Raum. Die Konzertbesucher versinken in die „Karawanserei“, erfahren im Geist die Reise zur Herberge, wo Essen, Trinken und Musik sie von den Strapazen erholen lassen. Die dem Königspaar Sheehan aus „Tir Na Nóg“ gewidmeten ersten beiden Lieder „Karawanserei“ und „Never ending Road“ sind schon Basis für das Duo, seine stilistische Vielfalt auszuleben.

Mit geschlossenen Augen

Im Arrangement für Gitarre und Cello von Burstein und Legnani erklingt das „Concerto in re maggiore“ von Antonio Vivaldi. Die geschlossenen Augen der überwiegenden Anzahl der Konzertbesucher zeigen die Intensität, mit der die Melodien wahrgenommen werden, bis ins Innere dringen. Beeindruckend. Ein Wechselspiel der Tempi liefern die neun Kompositionen, die sich zum Gesamtbild „Bamidbar“, der Reise der Israeliten durch die Wüste, formieren. Formvollendete Klangmalereien lassen die Gefahren der Wüste ebenso nachempfinden, wie die Kriege, die geführt wurden, bis das versprochene Land erreicht wurde. Überzeugter Beifall begleitet die Ausnahmemusiker über den Abend, der mit feurigem Flamenco, leidenschaftlichem Tango und bluesigem Swing sowie amerikanischen Volksliedern zu überzeugen weiß.

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