Schwetzingen

Schloss Beim Erlebnistag bekommen die Besucher einen Einblick in die Machenschaften der feinen Gesellschaft in Zeiten des Barock / Stuttgarter Saloniker begeistern

Musikalischer Gipfel der Nonchalance

Carl Theodor hatte es schon irgendwie gut. Wohnte er in der Sommerresidenz in Schwetzingen, lustwandelte er im Schlossgarten, genoss Wein und Musik, Weib gehört in den Reigen dazu, manchmal auch Mord. Beim Schlosserlebnistag gab es einmal mehr einen Blick hinter die Fassade der Machenschaften der feinen Gesellschaft in Zeiten des Barock, aber auch ins ganz normale Leben und das Entspannen bei Wein und Musik.

Sonderführungen förderten Mordgelüste zutage - ausgerechnet am Fuße der Statue des Weingottes Bacchus. Interaktiv sind die Rundgänge, die mysteriöse Kulte enthüllen und eine nicht geahnte Rivalität zwischen den jungen Sängern am Mannheimer Hoforchester. Die Gäste helfen, die Morde aufzuklären, denn es gibt den Rundgang gleich zweimal. Abseits des schillernden Müßiggangs gab es aber auch das ganz normale Leben am Hof, jenes der Bediensteten im Kontrast zum höfischen Glanz.

Hufeisen und Metallräder

Und die Kinder am Hofe, was hatten die eigentlich zum Spielen? Das erklärte Schlossführerin Gerda Leuthardt einer interessierten Gruppe Kinder und Eltern. Am Seepferdchenbrunnen wurden Hufeisen geworfen, die Metallräder geschlagen, die Kastanienallee diente zum Slalomlauf. Ganz nebenbei plaudert Leuthardt davon, dass der Park 72 Hektar Fläche und 33 Kilometer Fußwege hat. Vor Staunen bleiben da einige Münder offenstehen. Und schon geht es weiter zum Tauziehen. "Wisst ihr, die Leute zur Zeit Carl Theodors hatten viel Zeit, die verbrachten sie gerne in Garten und beim Spielen - Klein und Groß."

Eine besondere Führung durch die schönen Schlossräume hieß "Vom Tafel-Zeremoniell". Sie führte durch die Gemächer und überall dorthin, wo man sich den Gaumenfreuden hingab - barocke Tafelfreuden gab es vom Schlafzimmer des Kurfürsten bis in den Speisesaal im Zirkelbau.

Unters schützende Blätterdach

Den Gipfel der Nonchalance vergangener Zeiten, also jener liebenswürdigen Lässigkeit, holte das Konzert der Stuttgarter Saloniker ins kurfürstliche Domizil. Verlegt vom Apollotempel, der zum Zeitpunkt des Konzertbeginns in der prallen Sonne lag, unters schützende Blätterdach rund um den Seepferdchenbrunnen. Auf der Wiese richtete Schlossverwalterin Sandra Moritz einige Tische mit weißen Decken, Stühlen und weißen Kissen her, allerdings holten sich die vielen Gäste auch hier die Stühle in den Schatten.

Ein wenig verzögerte sich der Konzertstart, denn erst nach und nach schafften die sieben Musiker den Weg von Stuttgart, wo sie vorher ein Konzert gegeben hatten, nach Schwetzingen. Auch heuer hat man Zeit. Die Konzertgäste bedienten sich an Wein und Getränken, plauderten Fächer wedelnd miteinander - fast wie damals. Mit gut einer halben Stunde Verspätung kam auch der Chef der Stuttgarter Saloniker, Patrick Siben, am Seepferdchenbrunnen an.

Seine Mitstreiter Angela Weiss (Klarinette), Walter Töws (Geige), Stefan Koschitzki (Klarinette), Branko Arnsek (Kontrabass), Bennoi Kleinhard (Posaune) und Igor Rudytskyy (Trompete) wanderten mit ihren Instrumenten hinter dem Akkordeon spielenden Siben her - quer über die Wiese und mitten hinein ins Publikum. Dort machte Siben eine Prinzessin aus und ließ ihr gleich einen Csárdás-Marsch spielen, den huldvollst vernahm. Begeistert beklatscht wurden auch das laszive "Summertime", wie passend zur sommerlichen Hitze, "When the Saints" oder im Parforceritt hinterhergespielt "Funiculí, funiculà".

Wiedersehen beim Concours

Wassermusik hatte Siben versprochen, lobte das wunderschöne Ambiente im Schlossgarten, das Plätschern des Wassers im Seepferdchenbrunnen im Ohr, doch gleich an "Die Matrosen" von Friedrich Flotow erinnert, klar, wird das Stück sofort gespielt. Den Geist barocker Konzerte bringen die Saloniker in den Schlossgarten, nicht nur beim Schlosserlebnistag, auch beim Oldtimer-Event Concours d'Élégance im September geben die Musiker ein "Autokonzert", verspricht Patrick Siben.

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