Schwetzingen

Schwetzinger Festspiele Pianist Martin Helmchen zu Gast

Mysterium auf der Spur

Archivartikel

Schon viele versuchten sich daran, die tiefgründigen Interpretationen von Martin Helmchen zu entschlüsseln, denn Worte können nur unzureichend schildern, was seine Musik in einem auslöst. Als „Philosoph am Klavier“ wurde er apostrophiert, auch als „sympathischer Sonderling“. Bei seinem Klavierabend der Schwetzinger Festspiele indes entschlüsselte er das Enigmatische in der Musik.

Auch das lässt sich nicht wirklich in Worte fassen, doch Helmchen konfrontierte sein Publikum mit einem außerordentlich anspruchsvollen, extrem fordernden Programm, das er mit genialischem Zugriff zum Weihespiel der Klavierkunst entwickelt. Sein Auftritt hat in Eckpunkten etwas Sakrales an sich. Da stellt er Bach-Choralvorspiele in den Bearbeitungen von Busoni und Reger mit individuellem Geschmack und dennoch als zeitlos gültige Verbindung von Spiritualität und farbigem Klangsinn auf. Der Mozartsaal wird zur Kathedrale, selbst Zyniker geloben Besserung bei dieser Musik.

Waldszene als Zugabe

Und die finale Klammer, zehn Stücke aus den „Vingt regards sur l’enfant-Jésus“ von Olivier Messiaen, entwickelt er mit fulminanter Technik zu einem Kompendium transzendenter Wunder. Helmchen verweist auf die Singularität dieser Musik in ihren ganz eigenwilligen Gespinsten, die in seinem Spiel plötzlich nicht mehr rätselhaft erscheint; dass Vogelgesang von außen hereindrang, machte den Vortrag nur noch plausibler, hat doch Messiaen deren Stimmen akribisch notiert und auch bei „Vingt regards“ eingearbeitet.

Dazwischen gab es Liszt-Hymnen, angereichert mit dem typischen Dialog von Versenkung und Klaviergeklingel, sowie das grandios aufgestellte Schlüsselwerk „Präludium, Choral und Fuge“ von César Franck, das Helmchen aufregend dicht serviert. Riesiger Beifall und als Zugabe ein Bach-Reger-Vorspiel sowie Schumanns fast impressionistisch gespielte Waldszene „Vogel als Prophet“.

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