Schwetzingen

Schloss Als Zofe Agnetia lüftet Yvonne Schwegler bei der Sonderführung „Wer hat hier die Hosen an“ so manches Geheimnis

Nur mit Begleitung aufs Klo

„Wie alt sind Sie?“, fragte die neugierige Zofe Agnetia einen jungen Mann, der neben anderen zwanzig Besuchern unterschiedlichen Alters bei der Sonderführung „Wer hat wohl hier die Hosen an“ teilgenommen hat. „Achtzehn“, antwortete dieser. „Na ja, dann sind Sie ja wohl schon seit einem Jahr verheiratet, nicht wahr?“

Auf sein verwundertes Achselzucken hin erklärte sie: „Carl Theodor, der hier vieles von dem, was Sie sehen werden, errichtet hat, war ein Jahr jünger, als er seine Cousine Elisabeth Auguste, die älteste Enkelin des Kurfürsten Karl Philipp, an deren 21. Geburtstag heiratete. Können Sie sich das vorstellen?“ Da schüttelte der junge Mann energisch den Kopf.

Yvonne Schwegler (Bild) weiß zu provozieren. In historischem Kostüm nahm sie mit beschwörender Stimme und lebhaft gestikulierend, mal lachend, mal die Nase rümpfend, die Gruppe mit auf eine Zeitreise, die im 14. Jahrhundert begann und im 19. endete. Sie teilte Rollen aus und ließ die Mitglieder der Gruppe aktiv teilnehmen am damaligen Geschehen. Dadurch regte sie deren Vorstellungskraft an, sich in die Lage der Menschen jener Zeit hineinzuversetzen. „Nein, im Alter von 17 Jahren zu heiraten und dazu noch eine vier Jahre ältere Frau“, das konnte sich der junge Mann von vorhin nicht vorstellen. Auch sonst erzählte die Zofe zwei Stunden lang hinter vorgehaltener Hand von Dingen, die für die heutigen Menschen eine Zumutung wären: sich tagelang nicht zu waschen, den Körpergeruch mit Parfüm zu übertünchen, keine Intimsphäre zu haben, sich umständlich anzuziehen und nur in Begleitung aufs Klo zu gehen.

Nörglerin aufs Abstellgleis

Dass in jener Zeit die Männer das Sagen hatten, war mehr als nachvollziehbar, jedoch hatten laut Agnetia auch Frauen, „die hier im Schloss eine Rolle gespielt haben, das Geschehen im Blick und zumeist auch ganz gut im Griff“. Sie konnten zwar nicht immer das machen, was sie wollten, haben sich aber auf die eine oder andere Art durchgesetzt wie beispielsweise Marie Luise von Degenfeld (1634 – 1677). „Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Frau wie Charlotte von Hessen-Kassel, die nur nörgelt und schimpft? Was würden Sie tun? Sich natürlich eine andere nehmen.“ Und genau das hat der pfälzische Kurfürst Karl Ludwig (1617 – 1680) getan. Er hat sich in das Kammerfräulein der Kurfürstin, in Marie Luise von Degenfeld, verliebt.

Da der Aufenthalt in Heidelberg für sie immer unerträglicher und auch gefährlich wurde, richtete er das Schwetzinger Schloss her, wo das Paar hinzog und ungestört leben konnte. Degenfeld kam sehr gut mit dem Kurfürsten aus, so die Schlossführerin, weil sie „seine Ratschläge stets lobte und so tat, als würde sie sie auch befolgen“. Auch das Leben der Kurfürstin Elisabeth Auguste von der Pfalz (1721 – 1794) an der Seite Carl Theodors (1724 – 1799) ließ sie unterhaltsam vor den Augen der Gruppe lebendig werden wie auch das der Reichsgräfin von Hochberg (1768 – 1820), die zweite Ehefrau des späteren Großherzogs Karl Friedrich von Baden.

Im oberen Stockwerk konnte die Gruppe die Räume, die sie eingerichtet und mit Tapeten einer Alpenlandschaft geschmückt hat, bestaunen. „Sie war es vermutlich, die den wahren Erben beseitigt hat, der als Kaspar Hauser auftauchte“, munkelte die Zofe. Bei allen Privilegien war das Leben dieser Frauen nicht immer einfach, deshalb „freuen Sie sich, dass Sie jetzt leben, machen Sie das Beste aus den Möglichkeiten, die Sie heute haben“, gab Yvonne Schwegler den Teilnehmern als Schlusswort mit auf den Heimweg.

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