Schwetzingen

Ohne nackte Haut

Archivartikel

Janina Hardung will mehr Frauen im Rampenlicht sehen

Liebe Frauen, es gibt etwas zu feiern: uns. Wie wunderbar wir sind und was wir in den vergangenen Jahren schon alles geleistet haben. Wir kämpfen uns hinter dem Schatten der Männer hervor und stehen im Rampenlicht. Endlich! Wieso das gesagt werden muss? Weil der Weltfrauentag, der am vergangenen Sonntag gefeiert wurde, daran erinnern soll. Dass es noch Unterschiede gibt – zwischen Frauen und Männern. Weil es einfach verdammt viel Arbeit ist. Rom wurde schließlich auch nicht an einem Tag erbaut.

Wir hängen oft noch in der Vergangenheit fest. Nicht Frauen oder Männer, wir alle. Das Denkmuster, wir kennen es – die Frau in der Küche und bei den Kindern, die Herren bei der Arbeit – wurde jahrzehntelang gelebt. Eltern haben diese Muster an die nächste Generation weitergegeben. Und dann gab’s den Knall: In den 1960er Jahren zeigen Feministinnen ihre Brüste, protestieren lautstark, verbrennen ihre BHs. Geändert hat sich seitdem etwas, aber noch nicht genug.

Das Problem ist, dass wir uns ständig anhören müssen, was wir dürfen und was nicht. Wer uns wann und wie anfassen darf. Was wir alles können, dürfen, sollen oder auch nicht. Wie unser Kleiderschrank aussehen soll. Wisst ihr, was nervt? Das wir – egal wie wir all das handhaben – uns ständig erklären müssen. Warum wir arbeiten oder zuhause bei den Kindern bleiben. Warum wir finden, dass etwas sexistisch ist oder nicht. Wenn diese ewige Rechtfertigung aufhört, dann bewegen wir uns langsam in die richtige Richtung. Ich will, dass wir keine BHs verbrennen müssen, um das gleiche Gehalt wie unser männlicher Kollege zu bekommen. Und ich zeige für eine vernünftige Rente auch nicht die blanke Brust. Wir müssen selbstbewusst fordern, was uns zusteht. Ohne Wenn und Aber, ohne unnötige Erklärungen. Ohne nackte Haut. Das ist für mich Emanzipation.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional