Schwetzingen

Rokokotheater Bläserphilharmonie Rhein-Neckar feiert zehnjähriges Bestehen / Gastmusiker aus Syrien sorgen für Staunen

Ohrenschmaus zum Geburtstag

Schwetzingen/Brühl.Die Bläserphilharmonie Rhein-Neckar feiert ihr zehnjähriges Jubiläum und verteilte Geschenke für die Ohren. Im Rokokotheater boten die ambitionierten Laienmusiker einen Leckerbissen nach dem anderen dar.

Die Gastdirigentin Barbara Schied stand im ersten Programmteil am Pult und erläuterte zwischendurch interessante Hintergründe zu den Werken. Als erstes stand "Mount Everest" von Rossano Galante auf dem Menü. Zusammen erklommen die Bläser ungekannte Höhen und scheuten keine lauten Töne, als die Dirigentin die Faust ballte. Wie Filmmusik aus einem richtig guten Blockbuster klang so manche Passage und machte Appetit auf mehr. Bei "The Wind in the Willows" nahm der Komponist Johan de Meij das gleichnamige Kinderbuch des berühmten englischen Autoren Kenneth Grahame als Vorlage. Um dem vollends gefüllten Saal einen besseren Eindruck der programmatischen Musik zu vermitteln, wurde vor jedem der vier Sätze ein kurzer Abschnitt aus dem Buch vorgelesen. Ein klanggewaltiges Orchester und zwei Dirigenten fanden Platz auf der Bühne: Dirigent Bernhard Vanecek übernahm diesmal die Aufgabe des Vorlesers und schilderte uns in bunten Farben die Abenteuer des Maulwurfs Mole und seiner Freunde. Auf jede Passage folgte die passende Musik. Mal waren es grollende, Unheil verheißende Akkorde in den unterirdischen Gängen des Maulwurfs, dann ein skurriler, schräger Walzer des kantigen Kröterichs. Schließlich endete der erste Programmteil mit einem der bekannten Queen-Lieder: "Innuendo".

Da tanzt sogar der Dirigent mit

Nach der Pause lud Bernhard Vanecek zum Mittanzen und Mitwippen in Coplands "Come on man" ein. Seit zehn Jahren ist Vanecek fest mit der Bläserphilharmonie Rhein-Neckar verbunden. Jedes Jahr trifft sich das Projektorchester für mehrere Wochen intensiver Arbeitsphasen. Das Ergebnis wird dann in renommierten Konzertsälen vorgestellt, diesmal im Rokokotheater und im Augustinum Heidelberg (18. November, 19.30 Uhr). Zum zehnjährigen Jubiläum hatte sich das Ensemble etwas besonderes einfallen lassen. Für die "Ethno Festival Suite" waren zwei Ausnahmemusiker aus Syrien eingeladen worden, am Gesamtprojekt mitzuwirken. Die Reise führte uns durch Volksweisen aus Schottland und Schweden über den Balkan bis in den Orient, wo Asem Abdulkareem an der Darbuka und Ahmad Almir mit der Oud ihr Können zeigten. Die Laute und damit auch die Gitarre sind aus dem Zupfinstrument Oud hervorgegangen. So staunte das Publikum über das hochkomplexe Instrument, das mit seiner Entstehung mit den Grundstein für unsere europäische Musikkultur gelegt hatte.

Tosender Applaus und eine herzliche Umarmung des Dirigenten verabschiedeten die beiden Musiker von der Bühne, bevor das Blasorchester mit heißen Latino-Rhythmen noch einen Höhepunkt des Abends bot. Mit zwei Zugaben, bei denen der Dirigent selbst mittanzen und -singen musste, endete der Schmaus mit sichtlich begeisterten Zuhörern.

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