Schwetzingen

Kunst im Amtsgericht Unter dem Titel "Frammenti - Bruchstücke" zeigt Beatrice Donin abstrakte Malereien / Die Künstlerin ist aus der Toskana angereist

Packende Farben und Formen direkt aus Italien

Schon zum 50. Mal haben sich die Flure des Amtsgerichts in eine Galerie verwandelt. Zu diesem besonderen Jubiläum holten Direktorin Andrea Gadamer und der Vorsitzende des Vereins "Kunst im Amtsgericht", Hans Moser, eine Künstlerin nach Schwetzingen, die aus der Toskana angereist ist: Beatrice Donin. Die Ausstellung mit dem Titel "Frammenti - Bruchstücke", die am Montagabend eröffnet wurde, führt eindrucksvoll das Zusammentreffen von geometrischer Nüchternheit mit puren Emotionen vor Augen.

"Wie kommt es, dass eine Malerin aus der Toskana ihr Auto vollpackt mit Bildern, hier vor dem Amtsgericht hält und sie aufhängt?" Diese Frage stellte SWR-Moderatorin Doris Steinbeißer, die auf erfrischend unkonventionelle Art in die Ausstellung einführte. Davor jedoch begrüßte Andrea Gadamer die Künstlerin, die Gäste sowie den Harfenisten Ansgar Deuschel, der zur Einstimmung das "Impromptu" opus 86 von Gabriel Fauré spielte und mit der sensiblen Wiedergabe Herz und Verstand der Besucher öffnete. Zum Abschluss begeisterte er noch einmal mit der "Moldau" von Smetana.

"Das hat verschiedene Gründe", ging Doris Steinbeißer danach, im Gespräch mit der Künstlerin, auf deren Werdegang und auf die anfangs gestellte Frage ein. So erfuhr das Vernissagepublikum, dass Beatrice Donin in Prato, einer Stadt unweit von Florenz, geboren wurde, zunächst in Florenz Musik und Philologie studierte und nach Deutschland kam, um Deutsch zu lernen. Sie blieb dann hier und studierte in Mainz Romanistik und Germanistik. "Dort, beim Germanistischen Seminar, haben sich unsere Wege zum ersten Mal gekreuzt", erinnerte sich Steinbeißer, wie sie die vielseitig begabte Künstlerin kennenlernte.

Stil ständig verändert

"Als ich einmal Donin zu Hause besuchte, da habe ich an der Wand ein Gemälde gesehen, das fast fotografisch genau einen nordafrikanischen Mann wiedergab." Diese gegenständliche Gestaltungsweise hat die Künstlerin inzwischen aufgegeben, heute herrschen in ihren Bildern abstrakte Formen und kräftige Farben vor. "Weil sie an der Uni Heidelberg zu tun hatte, ist sie nach Hirschhorn gezogen, dort hat sie natürlich weiter gemalt, ihren Stil dabei ständig verändert", so Steinbeißer.

Danach sei sie nach Würzburg gezogen, wo sie als freischaffende Künstlerin tätig war. Vor zehn Jahren ist sie dann zurückgegangen nach Italien, denn "Italien ist stets ihre Heimat geblieben". Dort malte sie weiter, hat aber auch als Sprachlehrerin und Übersetzerin gearbeitet. "Wir haben es geschafft, uns mindestens einmal im Jahr zu treffen", erzählte Steinbeißer begeistert, sie habe sich natürlich "geopfert" und sei in die Toskana gefahren, da habe sie beobachtet, wie das Haus immer voller wurde mit Bildern, an denen man die Wandlung vom naturalistischen Stil, zu einem, in dem sich die Realität immer mehr auflöste, nachvollziehen konnte. Sie malte immer abstrakter, geometrischer, bis hin zu Puzzleteilen, die für das Fragmentarische im Leben stehen.

Dahinter stehen Erfahrungen

"Im Italienischen bedeutet Frammenti Stücke", erklärte Beatrice Donin die Philosophie, die hinter ihren Arbeiten steckt, deshalb passe als deutsche Übersetzung am besten der Begriff "Bruchstücke". "Meine Bilder", sagte sie "bestehen aus Stücken meiner vorherigen Art zu malen, aus Stücken geometrischer Formen, aber auch aus Stücken meines Lebens. Dahinter stehen oft konkrete Erfahrungen, ganz spezielle traurige oder glückliche Momente."

Die Titel der einzelnen Bilder wie "Sonnenuntergang", "Mein Garten", "Happy Days", "Herbsttage" oder "Sicilia" geben weniger ein Naturbild wieder, sondern bringen eindeutig das Gefühl, das man beim Betrachten hat, zum Ausdruck.

Ein anderes Grundthema ihrer Arbeiten ist die Ironie, erläuterte Steinbeißer, sie helfe über viele Unzulänglichkeiten hinweg. Vertieft man sich in Donins Arbeiten, spürt man, dass in diese viel literarisches sowie kunsthistorisches Wissen eingeflossen ist. In der Einladung zur Ausstellungseröffnung stellte Beatrice Donin ein Zitat des Mannheimer Philosophen Hanspeter Rings voran, das besonders treffend das Wesen ihrer farbenfrohen Kunst umreißt: "Das Fragment ist als Ganzes Fragment; das Ganze als Fragment Ganzes."

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