Schwetzingen

Patienten schützen

Archivartikel

Janina Hardung findet, die Versorgung muss neu gedacht werden

Ärger, Mitgefühl und Ratlosigkeit: So haben sich die Eltern gefühlt, die sich mit ihren Kindern schon seit Jahren bei Dr. Volker Bothe gut aufgehoben sahen. Die Gründe, warum er seinen kassenärztlichen Sitz aufgegeben hat, sind so vielschichtig, dass sie die Patienten fast erschlagen.

Fakt ist: Das Ungetüm Gesundheitssystem hat einige Akteure – und alle haben ein anderes Ziel. Als Außenstehender hat man das Gefühl, die Interessensgruppen bekämpfen sich gegenseitig und am Ende ist man als Patient der große Verlierer. Wenn Dr. Bothe seinen Patienten also die bestmögliche Therapie verschreiben will, sich aber rechtfertigen und zahlen muss, wenn er sich dann nicht an den Heilmittelkatalog hält: Dann ist sein Ärger verständlich. Im Gegenzug erschreckt die Statistik der Arzneimittelausgaben, für die im Jahr 2018 ganze 38,67 Milliarden Euro ausgegeben wurden. Für diese Zahl wird die Politik verantwortlich gemacht, die sich dann mit Gesetzen wehrt, um diese Ausgaben in Schach zu halten.

Wenn sie allerdings alle Ärzte vergraulen, nützen alle Gesetze nichts. Denn die Experten sind sich einig: Es mangelt an Ärzten, besonders in ländlichen Regionen. Deshalb ist die Kassenärztliche Vereinigung darauf angewiesen, dass es offene Sprechstunden gibt. Die Mediziner müssen ihre Türen öffnen, damit jeder Mensch, der einen Arzt braucht, auch einen bekommt. Aber dazu muss die Bedarfsplanung aus ihren alten Schuhen. Die Versorgung muss neu berechnet und realistisch aufgestellt werden – die einzelnen Orte und ihre Bewohner in ein ausgewogenes Verhältnis gesetzt werden. Nicht der Rhein-Neckar-Kreis, sondern die einzelnen Kommunen zählen. Sonst fühlt sich der Patient schnell abgehängt.

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