Schwetzingen

Im Interview Rafael Lang und Martin Heckmann von „blue-oak“ sorgen sogar für „Solarbier“

Photovoltaik im Allerkleinsten

Archivartikel

Autark leben – ein absolut zeitgemäßes Thema. Das wissen auch Rafael Lang und Martin Heckmann. Die beiden sind Geschäftsführer ihres Mannheimer Start-ups „blue-oak“ und stellten im Vorjahr bei der Eco-Mobil-Gala ihr „Balkonkraftwerk“ vor. Diese Erfindung ermöglicht Wohnungseigentümern und Mietern, auf einfachem Weg Stromkosten zu sparen. Sie entwickeln ganz unabhängig für den Endverbraucher Lösungen rund um Photovoltaik, Ladestationen und Wärmepumpen. Auch dieses Jahr sind die Unternehmer im Schlossgarten dabei.

Wie haben Sie die erste Eco-Mobil-Gala im Vorjahr erlebt und welche Auswirkungen hatte Ihre Präsenz dort im Nachgang?

Rafael Lang: Das große Engagement der Organisatoren macht dieses Event einfach zu einer gelungenen Veranstaltung. Wir konnten viele spannende Gespräche mit interessierten Besuchern über Elektroautos, Photovoltaik und „Balkonkraftwerke“ führen. Der Wandel zur E-Mobilität wirft für viele Bürger Fragen auf, zu welchen wir Rede und Antwort gestanden haben. Das Thema „Balkonkraftwerke“ hat aufgrund der Einfachheit und des kleinen Preises zu einem großen und nachhaltigen Interesse geführt. Auch noch ein halbes Jahr nach der Veranstaltung bekamen wir viele Anfragen, welche auf die Messe zurückzuführen waren.

Wie konnten Sie sich im Laufe des Jahres mit Ihrem Start-up „blue- oak“ im Markt positionieren?

Martin Heckmann: Dieses Jahr stellte für uns mit Sicherheit eine große Herausforderung dar. Im Rahmen einer zunehmenden Nachfrage nach nachhaltiger Energieerzeugung, Unabhängigkeit und E-Mobilität konnten wir einen deutlichen Zuwachs in der Auftragslage wahrnehmen. Des Weiteren durften wir uns dieses Jahr über neue Kunden freuen, welche aufgrund von Empfehlungen ihren Weg zu uns gefunden haben.

Vielleicht können Sie noch einmal kurz erläutern, was Ihr Unternehmen genau macht?

Lang: Wir planen und realisieren ganzheitliche Energiekonzepte. Hierbei vernetzen wir Photovoltaik, Akkuspeicher, Wärmepumpen und Ladestationen für E-Autos, um den Bürgern zu mehr Unabhängigkeit und einer nachhaltigen wie auch wirtschaftlichen Energieerzeugung zu verhelfen. Leider ist es immer noch vielen nicht bewusst, dass die eigene Stromerzeugung deutlich günstiger ist als eine externe Belieferung durch einen Energieversorger. Die eigene Energieversorgung startet bei uns mit einem kleinen „Balkonkraftwerk“ und endet bei einer PV-Großanlage mit angebundenen E-Mobility-Fuhrpark für einen Gewerbebetrieb.

Sind im Vergleich zum Vorjahr neue Felder hinzugekommen?

Heckmann: Aufgrund der verstärkten Nachfrage von Kleingärtnern, Campern und Seglern haben wir uns intensiv mit völlig autarker Stromversorgung durch kleinere Photovoltaiksysteme beschäftigt. Wir versuchen, den genauen Bedarf unserer Kunden zu ermitteln und bieten alle benötigten Komponenten in einem Set an. Die Anforderungen hierbei sind recht unterschiedlich und die Wünsche reichen von einem Kühlschrank für kaltes „Solarbier“, dem Betrieb einer Poolpumpe bis hin zum Einsatz einer Entsalzungsanlage auf einem Segelboot.

Inwieweit hat die Corona-Pandemie Ihr Unternehmen und Ihre Arbeit beeinflusst?

Lang: Vor allem der Markt der technischen Komponenten wurde innerhalb einer Woche völlig durcheinandergebracht. Durch die konstante Absprache mit unseren Großhändlern konnten wir noch einige Hamsterkäufe tätigen, was nur mit der finanziellen Unterstützung von Familie und Freunden möglich war. Kurze Zeit später waren auf dem Weltmarkt keine Komponenten mehr verfügbar. Ohne diesen Lagerbestand hätten wir fast ein halbes Jahr völligen Stillstand gehabt. Als besondere Schwierigkeit empfanden wir die fast unmögliche Planbarkeit. Dazu kam die Ungewissheit, ob uns das Arbeitsverbot auch treffen würde. Dennoch sind wir sehr froh darüber, dass wir die Krise bis jetzt gut überstanden haben. Es ist nicht leicht zu sehen, wie viele befreundete Unternehmer durch die Corona-Maßnahmen ihre Rücklagen oder gar die vollständige Existenz verloren haben. Wir haben jedoch auch das Gefühl, dass viele Bürger gerade durch die Krise ein stärkeres Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit entwickelt haben. Dies bestärkt uns umso mehr in unserem Handeln.

Warum sind Sie auch bei der 5. Eco-Mobil-Gala mit dabei?

Lang: Im Fokus der Teilnahme steht nicht der reine Verkauf. Die Eco-Mobil-Gala bietet eine schöne Plattform, um mit Bürgern und Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Wenn wir es schaffen, offene Fragen zur E-Mobilität zu beantworten und Bürger von einem nachhaltigen Handeln zu überzeugen, hat sich unser Einsatz bereits gelohnt. Ebenso überzeugt die Veranstaltung konkurrenzlos durch die Verschmelzung der eleganten Vergangenheit mit der dynamischen Mobilität der Zukunft. / kaba

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