Schwetzingen

Wahltag in Schwetzingen Eine kleine Umfrage in der Stadt zeigt, ob die Bürger wählen gehen und wie sie ihren Einfluss einschätzen / Mitmachen stärkt die Demokratie / Es gab auch mal Warteschlangen

„Politik nicht einfach hinnehmen, sondern abstimmen gehen“

Archivartikel

„Die meteorologischen Bedingungen waren ideal und gefühlt lief es ganz gut“, sagt der städtische Wirtschaftsförderer und Wahlhelfer im Rathaus, Wolfgang Leberecht: „Wir hatten ständig Menschen vor der Tür.“ Und manchmal schwollen diese Menschen gar zu einer beachtlichen Warteschlange an.“ Eine Einschätzung, die auch Ordnungsamtsleiter Pascal Seidel teilt. Gerade zurück von einer Tour durch alle 16 Wahlbezirke berichtet er von einem ansehnlichen Andrang. „Die 124 Wahlhelfer haben viel zu tun.“ Aber natürlich, dass wissen die Beiden, würde man erst am Ende des Tages wissen, wie hoch die Wahlbeteiligung sei. Angesichts der Lage von der kommunalen Ebene bis hinauf zu Europa wünschten sie sich eine möglichst hohe Wahlbeteiligung: „Je mehr mitmachen, desto stärker ist unsere Demokratie“, sagen sie

Eine Sicht, die hier im Rathaus durch die Bank von allen Wähler geteilt wurde. Gerade in diesen unruhigen Zeiten, so Matthias Werner, sei es wichtig seine Stimme zu erheben und mitzureden. Und für Hanna Fichtner steht fest, dass die Stimmabgabe einen Unterschied mache, auch wenn es nur eine Stimme ist. Das Problem, das alle Nichtwähler unterschätzen, so Danila Menges, sei, dass nicht bedacht werde, dass auch fehlende Stimme eine Wirkung haben und den Falschen zu Gute kämen. Suat Ünal unterstützt sie. Seit vier Jahren deutscher Staatsbürger ist die Wahl für ihn der Hebel gegen Hass und Ausgrenzung: „Jetzt und hier muss man Stopp sagen.“ Worte, die David Baumgärtel und Anja Hübenthal nur zu gerne hören. Stellung beziehen, das sei das Fundament der Demokratie. „Politik nicht einfach hinnehmen, sondern abstimmen.“

„Für uns da unten wird nix getan“

Etwas anders sieht das Frank, der auf einer Parkbank in der Bahnhofsanlage sitzt und an dem ganzen Prozedere sichtlich zweifelt. Für ihn – den Nachnamen will er nicht nennen – mache das Wählen keinen Unterschied mehr. „Mir hört doch niemand zu. Die da oben machen keine Politik für die ganz unten.“ Und so erkennt er auch keinen Sinn darin, wählen zu gehen. Es mache keinen Unterschied mehr. Eine Sicht, die auch auf dem Schlossplatz durchaus Anschluss fand. Interessanterweise war keiner der zufällig angetroffenen Nichtwähler bereit, den Namen zu nennen. Insgeheim scheinen auch die Nichtwähler zu wissen, dass das Nichtwählen eher schwierig zu rechtfertigen ist und es der Demokratie zumindest nicht hilft.

Der Kunstprofessor Josef Walch ließ denn auch keinen Zweifel daran, dass er für Nichtwähler kein Verständnis hat. Vor allem dann, wenn sie sich hinterher über das Ergebnis beschweren. Auch der 19-jährige Justin Geschwill, zum ersten Mal an der Wahlurne, ließ an der Wichtigkeit der Wahl keinen Zweifel. Hoffentlich würden gerade die jüngeren Wähler auch neue Parteien stärken, um bei den vielen Problemen endlich auf Augenhöhe zu kommen, meint er. Und: „Gerade beim Klimaschutz ist das so wichtig.“ Zu gerne würde auch der elfjährige Moritz schon wählen gehen. Auch er erkennt die Schwierigkeiten, die gerade auch auf ihn und seine Alterskohorte zukämen. Aber leider müsse er ja noch ein paar Jahre warten.

Roger Christoffel kann das Nichtwählen kaum verstehen. Jeden Tag sehe man in den Nachrichten, wie andere Menschen um ihr Wahlrecht kämpfen, manchmal unter Einsatz ihres Lebens: „Und wir kriegen es auf dem Silbertablett serviert und müssen trotzdem noch gebeten werden.“ Dabei sei wählen gehen in Schwetzingen eine entspannte Sache. Gemütliches Frühstück oder Mittagessen auf dem Schlossplatz, ein Spaziergang, kurz in die Wahlkabine und fertig, so seine Wahlablaufbeschreibung, die das Schöne mit dem Wichtigen gekonnt verbindet.

Das machten auch andere Schwetzinger so: „Wir gehen gleich nach dem Frühstück ins Wahllokal, noch vor dem Kirchgang, oder wie heute bei herrlichem Ausflugswetter vor dem Aufbruch zu einem schönen Tag mit Freunden im Pfälzerwald – zum Wandern und Genießen“, erzählte Hanna Schwichtenberg.

Nicht ganz so weit zieht es Stefan Schöfer: „Wir nutzen den Wahltermin gerne für eine aktuelle Besichtigung des Hebel-Gymnasiums – unser Wahllokal – und einen anschließenden ausgedehnten Spaziergang.“ Dr. Birgit Schillinger machte es andersherum: „Nach dem morgendlichen Joggen gehe ich wählen.“ ske/ali

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